Apokalypse 20XX
Die Wahrheit über den Endkampf um die Weltherrschaft. Nur Handlung und Personen sind frei erfunden, die Hintergründe bestehen tatsächlich. Das wahre Wissen über den Menschen und mehr. Der Kurzroman soll nicht kommerziell unter Leuten verbreitet werden, die des Lesens und Denkens fähig sind. V.i.S.d.P.: ein kleines büro der internationalen anarchie, irgendwo, wo´snach freiheit schmeckt!
Robert Henderson saß in seinem Büro hoch über Vancouver. Er sah die großen Containerschiffe, die den kanadischen Weizen in den pazifischen Raum brachten, als seien sie Spielzeuge. Seine Firma handelte weltweit mit speziellen Elektronikkomponenten vorwiegend für den Anlagenbau, ein bewegtes, aber ein sehr gutes Geschäft. Henderson war weltweit für die Betreuung innovativer Kleinunternehmen zuständig, er musste immer wissen, was zu liefern und zu machen war. Außerdem gehörte er zum Team derer, die die interessanten Kunden pflegten. Möglichst früh zu wissen, was sie morgen brauchten, war wichtig, um den meist kleineren Herstellern auf die Sprünge zu helfen. In den kleinsten Klitschen entstand gelegentlich revolutionäres. Hochgeniale Techniker waren fast zu allem fähig, außer zur Suche nach neuen Marktchancen. Darin waren sie meist lausig. Also brauchten sie einen wie Robert Henderson, denn Marktchancen gab es, und er wusste, sie zu finden.
Dort, wo es auf Genialität und Kreativität im Schnellverfahren ankam, verzichteten große Firmen weitgehend auf eigene Kräfte. Selbst bis zu den Fanatikern konsequenter Firmenordnung war es durchgedrungen, dass höchste Kreativität mit Zwangsjacken nicht vereinbar war. Nicht ganz ohne Zähneknirschen akzeptierte man es, dass anarchistisch strukturierte Klitschen tatsächlich um Klassen besser waren, wenn es auf Spitzenleistung oder Schnellverfahren ankam.
Auf Firmendisziplin getrimmte Techniker, deren technischer Geist ständig von ignoranten Kaufleuten zermürbt wurde, konnten selbst unter höchstem Druck nicht mithalten. Es lief tatsächlich besser dort, wo das Käsebrot auch einmal auf dem Scanner abgelegt wurde. Dort, wo man, wenn man wirklich weit genug gekommen war, die Griffel einfach fallen ließ, sich aber auch um keinen Dienstplan kümmerte, wenn es brannte. Dort, wo jeder, der gefragt wurde, wer denn der Chef sei, spontan sagte: "Wir alle. Worum geht es denn?"
Auf solche Lieferanten waren die großen Firmen mental nicht wirklich eingestellt, mancher Manager hätte angesichts des einen oder anderen Lieferanten einen Herzinfarkt bekommen. So brauchten auch die großen Firmen unbedingt einen wie Robert Henderson. Einen, der es ihnen abnahm, lukrative Geschäfte mit ökonomischer Subkultur selbst machen zu müssen.
Weil Lieferanten wie Kunden einen wie Henderson brauchten, brauchte seine eigene Firma ihn, und weil er nicht alles allein machen konnte, verfügte er über einen. Stab von 25 Mitarbeitern. Mindestens einer seiner Mitarbeiter saß jederzeit im Linienflieger oder sogar im Learjet, das Geschäft war turbulent. Robert Henderson konnte absolut machen, was er wollte, solange die Zahlen stimmten. Und das hatte er im Griff. Sein Arbeitgeber war kein Anarchist, wusste aber ganz genau, dass Robert Henderson nur unter diesen Umständen so bemerkenswerte Ergebnisse erzielen konnte. Damit blieb Henderson absolut von allem verschont, wovon er verschont bleiben wollte. Sein Hirn diente offenbar nur dem Erfolg seiner Abteilung, absolut nichts anderes schien ihn zu interessieren. Davon waren fast alle überzeugt, die meinten, ihn zu kennen.
Das erstaunliche an Robert Henderson war, dass er sehr weitgehend selbst darüber bestimmen konnte, welchen Eindruck er machte. Unter bestimmten Voraussetzungen war es ihm möglich, Gefühle authentisch wirkend vorzutäuschen, eine Fähigkeit, die ein Mensch nur unter ganz bestimmten Umständen ausbilden und ausnutzen kann. Zudem hatte Robert verschiedene Rollen soweit verinnerlicht, dass jeweils alles zueinander passte. Er konnte jederzeit innerlich zwischen verschiedenen Rollen umschalten, die er dann authentisch wirkend spielte. Den arbeitswütigen Manager nahm man ihm ebenso ab wie den hoch soliden Verkäufer, und die Anarchisten waren überzeugt, dass Henderson im Grunde seines Herzens einer von ihnen war, auch wenn er es nie durch Worte zu verstehen gab.
Mit inniger Liebe pflegte Henderson auf allen Seiten die Einstellungen, die seine Arbeit möglichst unkompliziert machten, und so ging er auch mit seinen Mitarbeitern um. Wenn es sein musste, dann schufteten sie nicht aus Angst, sondern, weil sie Henderson nicht hängen lassen wollten. Alle seiner Leute hatten zwei Dinge gemeinsam gehabt, als er sie aufnahm: Jeder von ihnen verfügte über brilliante Fähigkeiten in seinem Metier, war aber mit Mitteln normaler Unternehmensführung nicht annähernd auszuschöpfen gewesen. Es waren genau die Leute, die niemand in seiner Abteilung haben wollte: Durch stumpfen Druck nicht zu beugen, dafür äußerst entschlossen und talentiert in der Durchsetzung ihrer Rechte.
Keine Frau und keinen Mann in seinem Team hätte er in seinem Sinne bewegen können, indem er sie abgekanzelt hätte, aber jede Frau und jeder Mann hätten sich innerlich miserabel gefühlt, Henderson hängen zu lassen. Sein "Bitte, hilf mir!" war unwiderstehlich, weil er Mitarbeitereinsatz niemals rücksichtslos zuließ und er sein Bestes tat, um jeden Mitarbeiter bestens bei Laune zu halten. Ohne im geringsten peinlich zu wirken, ging er vor jeder Frau und jedem Mann seines Teams auf die Knie, wenn er besonderen Dank zu vergeben hatte oder besonderen Einsatz benötigte. Sie wussten, dass er alles von ihnen wollte, ihnen dafür aber auch alles zu geben bereit war.
Dazu gehörte es, dass er in passenden Lagen jede denkbare Lebenshilfe bot. Konnte er einem verzweifelten Mitarbeiter die Partnerschaft retten, dann hatte er einen wahren Freund fürs Leben, und für jedes Problem hatte er den passenden Rat, der auch zum Erfolg führte. Den ihm verfügbaren Profit seiner Abteilung setzte er so ein, dass keiner seiner Leute auch nur darüber nachdachte, ob er womöglich zu wenig hätte. Das bedeutete nicht, dass alle Porsche fuhren. Solche Dinge waren Hendersons Mitarbeitern egal. Ihnen reichte es, wenn sie nach Lage ihrer Gefühle alles hatten, wunschlos glücklich waren. Henderson nutzte geschickt den Umstand, dass der Mensch dem Menschen mit Liebe kostenlos höchstes Wohlgefühl bereiten konnte. Alle seiner Mitarbeiter führten mittlerweile ideale Ehen, bei allen blieb der Fernseher meistens kalt, falls sie überhaupt einen hatten. Bei der Arbeit gab es keine Konkurrenz, und es brauchte sie auch nicht zu geben: Von Herzen gern gab jeder ohnehin sein Bestes.
Niemand auf der Welt wusste besser Bescheid als Henderson, wie man sich selbst oder andere innerlich dorthin bewegte, wo man das Ziel gesetzt hatte. Er appellierte geschickt an menschliche Urinstinkte, seine Abteilung wurde unter seiner Herrschaft zur Sippe für den einzelnen. So will es der Mensch in seinem Grundschema: Er bekommt alles, was seine Triebe überhaupt wollen, von der Sippe, dafür gibt er der Sippe seine ganze Zuwendung. Kein Mensch kann anders, wenn man ihm diese Chance gibt. Henderson beherrschte seine Leute im Guten so gründlich, wie eine Domina den Sklaven im Bösen beherrschte, den sie vollständig von sich abhängig hielt, vom Rest der Welt sozial isoliert. Das wussten Hendersons Leute sogar. Es war ihnen egal. Das System funktionierte nämlich nur so lange, wie Henderson bei seinem Tun nicht an sich, sondern nur an die Sippe dachte, und zwar getragen von wahrer Liebe für jedes einzelne Sippenmitglied. Weil Henderson zur Sippe gehörte, brauchte er nicht an sein eigenes Wohl zu denken. Das tat die Sippe für ihn. Sie gab auch ihm alles, was er für sein Wohlgefühl benötigte, und das gab sie ihm aus Liebe.
Was über Jahrmillionen für den Menschen gelebte Normalität war, war immer noch fest in den Trieben verankertes Muster. Obwohl es aus heute üblicher Sicht, erst recht aus Sicht der Satanisten, der schiere Irrsinn schien. So kam der Profit der Abteilung jeden Monat praktisch auf den Tisch, sichtbar in Form von Spielgeld, dann bekam erst jeder das, was er brauchte. War ein neuer Kühlschrank fällig, so wurde dafür das Geld ausgehändigt. Wohnte das Sippenmitglied nicht kostenlos in einer Sippenwohnung, dann bekam es Geld für Miete. Für alles, was nach Empfinden aller benötigt wurde, bekam jeder das Geld aus dem Topf. Die Gerechtigkeit der Verteilung wurde über gegenseitige Liebe abgesichert, es war tatsächlich so, dass keiner gespürtes Interesse hatte, sich ungerechtfertigt zu bereichern, dass aber jeder für wahren Bedarf des anderen das selbe Verständnis hatte wie für seinen eigenen. Solange für alle genug da war, gab es in der Sippe keinen Futterneid.
Da die Henderson Sippe nach der Verteilung regelmäßig Überschüsse behielt, konnte das Sippenvermögen, an dem jeder gleich beteiligt war, über das aber keiner anders als im Sinne der ganzen Sippe verfügen wollte und konnte, stets gemehrt werden.
Nach der Leistung eines Sippenmitglieds wurde solange nicht gefragt, wie es sein Bestes gegeben hatte. Und das hatte garantiert jeder getan. Faulpelzen wurde von allen Seiten das Leben schwer gemacht, bereits im Keim wurden solche Anwandlungen erstickt. Dazu reichten verächtliche Blicke von allen Seiten aus, und die erntete jemand zwangsläufig, wenn er andere für sich arbeiten lassen wollte. Wirklich liebevolle Behandlung durch alle anderen erfuhr nur der, der sich selbst mit Liebe für die Sippe einsetzte. Das war es, worauf es ankam. Genau darum war menschliches Grundschema dem Menschen ausgetrieben worden. Von Menschen, die andere für sich arbeiten lassen wollten. Das klappte nur, wenn man zuvor die wahre Liebe unter Menschen zerstört hatte.
In der Henderson Sippe wurde gar nicht gefragt, wer nach künstlichen Maßstäben besser oder schlechter war. Jeder war der Beste, wenn er sich ganz der Sippe hin gab. War einer klüger als alle anderen, dann waren nicht nur er, sondern auch alle anderen froh darüber. Die Sippe hatte einen Klugen, der ihr seine Intelligenz vollständig unterwarf, sie zum Werkzeug der Sippe machte. Jede persönliche Stärke wurde zum Eigentum der Sippe. Davon profitierten alle gleichermaßen, solange keine Not aufkam.
Indem man seine Stärken einsetzte, um den anderen zu dienen, zwang man die anderen innerlich, ihre Stärken für einen selbst einzusetzen. So sah das im Menschen angelegte Schema aus, aber es funktionierte eben nur solange sicher, wie jeder Einzelne sich rundum wohl dabei fühlte. Damit war die hohe Leistungskraft nicht beliebig lenkbar. Henderson hatte nur dann mehr zu sagen als irgendein anderer, wenn er aus Sicht der Sippe die besseren Argumente hatte als der andere. So sah die wahre Anarchie aus, die Menschen bis zur Christianisierung in den germanischen und keltischen Ländern gelebt hatten. Keiner konnte den anderen missbrauchen, keiner wollte den anderen missbrauchen, weil man sich gegenseitig liebte und weil jeder nach Lage seiner Gefühle alles hatte. Das waren die Unterschiede zum Domina/Dominus-Sklaven-Konzept der Satanisten, mit dem sie seit der Christianisierung die christliche Welt beherrschten.
Absolute Trieberfüllung war die Wundertüte, aus der Henderson alles schöpfte, und weil er emotional so gut Bescheid wusste, machte ihm auch niemand etwas vor. Sah Henderson etwas anderes als Wohlgefühl in den Augen von Mitarbeitern, dann kümmerte er sich sofort äußerst behutsam darum. Am Anfang war es sehr viel gewesen, doch allmählich lief es sehr gut fast ohne ihn. Jeder wusste, was Frau und Mann zu tun hatten, um sich gegenseitig von ganzem Herzen zu lieben und sich gegenseitig mit kostenlosen höchsten Freuden versorgen zu können. Ein glückliches Sexualleben war durch absolut nichts zu ersetzen, konnte aber jede Form der Unterhaltung ersetzen. Der Fernseher blieb nicht deshalb fast immer kalt, weil man ein verhasster Ideologe war, sondern einfach deshalb, weil man viel lieber etwas anderes tun wollte. Es war objektiv so, dass Frau und Mann keine höheren Gefühle erleben konnten, als im lustvollen Umgang miteinander auf Basis des natürlichen Sexualschemas. Beherrschte ein Paar das Schema, dann wurden keine Kinokarten mehr gekauft. Man ging mit Ressourcen sehr schonend um. Auch das war von denen nicht erwünscht, die andere für sich arbeiten lassen wollten, denn die wollten möglichst viel verkaufen, um daran wieder zu verdienen. So sackten die, die andere vom Wege des Lebensglückes fernhielten, um sie auszubeuten, sich allmählich die ganze Welt ein.
Das hätte ein Mensch wie Henderson nicht einmal für sich gewollt, andere skrupellos ins Lebensunglück zu treiben, um immer reicher zu werden. Henderson war rundum glücklich, was seine eigene Lage anging. Knechten und ausbeuten konnten am besten die, die persönlich am unglücklichsten und deshalb am bösesten waren: Die Satanisten. Es waren Satanisten, die die Geschicke von Staat, Wirtschaft und Gemeinwohl lenkten, wie Henderson wusste. Und Henderson wusste, dass diese Leute mit ihrem Vorgehen an Grenzen stießen. Geprügelte Geister waren tatsächlich drittklassige Geister, wie Henderson wusste.
Das erfuhr bereits ein Schüler, wenn er Angst vor dem Lehrer hatte. Plötzlich wusste er nicht mehr, was ihm vorher klar gewesen war, war keines klaren Gedankens mehr fähig, wenn die akute Angst vor dem Lehrer nur stark genug war. Der Lehrer hätte ihn totschlagen können, ohne dass die Gedanken des Schülers dadurch auf die Sprünge gekommen wären. Und jeder Student wusste, dass es seiner Examensnote nicht gut tun konnte, wenn er vor oder während des Examens unter zusätzlichen Stress gesetzt wurde. Je mehr die Satanisten aus jemandem herausholen wollten, desto mehr mussten sie ihn aber unter Stress setzen, desto mehr mussten sie ihn bedrücken. Je mehr sie ihn aber bedrückten, desto stärker reduzierten sie sein geistiges und körperliches Leistungspotential. So konnte man effizient Steinbrüche betreiben, solange Menschen kostenlos verheizt werden konnten, doch ansonsten war die Effizienz satanistisch organisierter Systeme hundsmiserabel. Die wirklich außergewöhnlichen Leistungen, zu denen glückliche Menschen fähig waren, konnten so nicht annähernd erreicht werden.
Das war nicht die einzige Macke, die der Satanismus aus Hendersons Sicht hatte. Der geknechtete Mensch bedurfte im Prinzip perfekter Kontrolle, damit er ganz nach Belieben funktionierte. Sobald ein Knecht sich absolut sicher war, dass es nicht auffallen konnte, konnte sein Handeln aus dem Ruder laufen. Je stärker er unter Druck stand, desto größer wurde seine Neigung dazu. Je klüger er war, desto größer wurde die Wahrscheinlichkeit, dass er es jeweils sicher erkannte, wann er sich was erlauben konnte. Und desto größer wurde auch die Gefahr, dass er sich geschickt eigene Freiräume ermöglichte. Entsprechend wäre ein unendlich großer Kontrollaufwand nötig gewesen, um alles absolut unter Kontrolle zu halten. Die Satanisten steuerten tatsächlich das System des Hirnchips an, um die Kontrolle zu automatisieren, doch Henderson wusste, dass sie damit nicht weit kommen würden. Jeder Mensch, der sich jederzeit unter Angst so beobachtet fühlte, würde in relativ kurzer Zeit irre. Mit solchen Dingen konnten Satanisten sich höchstens sadistisches Vergnügen bereiten, weiter konnten sie auf dem Wege nicht kommen.
Das satanistische System war doppelt funktionsdefekt. Es motivierte nicht, ohne qualitative Leistungsfähigkeit und Ausdauerpotential herabzusetzen, und es kontrollierte sich nicht zuverlässig selbst. Es passte eben einfach nicht zum Menschen, doch Henderson wusste, dass Satanisten solche Selbstverständlichkeiten nicht akzeptieren wollten. Deshalb waren sie längst mit Flickschusterei befasst, um ihre eigene Drittklassigkeit durch die Erstklassigkeit gesund eingestellter Menschen zu ergänzen. Mit der selben Logik, mit der die Kirche das astronomische Weltbild Galileis verboten, der Seefahrt aber gestattet hatte, daraus abgeleitete Erkenntnisse zu nutzen, hatten Satanisten begonnen, mit Menschen zu kungeln, die exakt dem antisatanistischen Schema entsprachen. Am liebsten waren ihnen für solche Kungeleien Menschen, die gar keine Ahnung hatten, was Satanismus überhaupt war. Sie wollten geistig hochkarätige, aber naive Gutmenschen, um diese dann ganz besonders subtil ausbeuten zu können. Henderson war der naivste Gutmensch der Welt, wenn er es sein wollte. Und was Henderson wollte, bestimmte ausschließlich Henderson.
Henderson wusste auch, wie es zwingend weitergehen würde. Der Satanismus lief in jeder Hinsicht vor die Wand, immer größerem Knechtungsdruck standen immer größere Instabilität des eigenen Systems und immer größeres Potential an Aussendruck gegenüber. Und nicht nur das: Die Genies der Welt waren zwangsläufig ungeprügelte Geister, sie standen innerlich entschieden dem Satanismus entgegen. Natürlich konnten die Satanisten die Weltherrschaft auch ganz in ihre Hände bekommen, doch nicht, ohne der menschlichen Intelligenz ihre Spitzen zu nehmen, sei es durch Ausschaltung, oder per Verblödung durch Knechtung. Ohne die Spitzen der menschlichen Intelligenz, die höchstens 1% der Bevölkerung ausmachten, wenn überhaupt, hätte man aber immer noch in Höhlen gesessen.
Indem die Satanisten die Welt ganz in ihre Hände nehmen würden, brächten sie die Menschheit innerhalb von maximal drei Generationen praktisch wieder auf Steinzeit- oder bestenfalls auf Eisenzeitniveau, wie Henderson klar war. Spätestens dann musste der letzte Tropfen Benzin weg sein, das letzte Auto kaputt und so weiter. Die zwangsläufige Folge eines so massiven technologischen Rückschrittes war dann eine massive Unterversorgung der Weltbevölkerung, mit der Wirkung von Hunger- und Kriegstoten, bis der Rest genug für sich fand. Der Rest lebte dann wieder in der Eisenzeit oder der Steinzeit, und fand zwangsläufig zum triebgerechten Sippenschema zurück. Damit war dann allerdings auch der Satanismus verschwunden, der Geist des Jesus von Nazareth musste nach der Apokalypse zwangsläufig wieder auferstehen: Das Sippen- und Eheleben auf Basis gegenseitiger Herzensliebe.
Der Satanismus war das Selbstmordprogramm der menschlichen Art gegen Überbevölkerung, eine Art Wanderung der Lemminge, wie Henderson wusste. Dabei war der Satanismus ein spezielles Selbstmordprogramm: Durch Hochintelligenz war es dem Menschen gelungen, die Sterberate weit unter die Geburtenrate zu drücken, und der Satanismus griff genau diese Ursache der Bevölkerungsexplosion an: Satanismus griff immer die Hochintelligenz an und legte sie lahm, ob durch Mord, oder durch Knechtung.
Wie Selbstmordprogramme von Arten im Grunde funktionierten, sah man im Experiment. Man brauchte nur 20 Ratten in einen Raum zu stecken, Futter aber nur für 5 zu geben. So stellte man Übervölkerung auf die Schnelle künstlich her. Was dabei herauskam, wusste jeder, ohne es auszuprobieren: Die Ratten setzten die erlebte Not in Aggression um, das Selbstmordprogramm der Art war gestartet und lief fort, bis es wieder für alle reichte. Dann waren die verbleibenden Ratten wieder friedlich zueinander, dann funktionierten sie wieder sozial. Bei 6 Milliarden Menschen auf der Erde ging es nicht so schnell wie im Rattenkäfig, im Prinzip aber ganz genau so und ganz genau so sicher, das wusste Henderson.
Henderson hatte gegen Überbevölkerung sozialverträglichere Konzepte zu bieten, und ihm war klar, dass natürliches Sozialleben nicht nur auf Bäumen und in Höhlen möglich war. Doch Henderson wusste, dass man Satanisten nicht durch Argumente überzeugen konnte.
Was in die verdrehte Sicht von Satanisten nicht passte, wurde solange völlig von ihnen ignoriert, bis sie es selbst absolut sicher spürten, dass diese Ignoranz ihnen schadete.
Henderson kannte die Satanisten tatsächlich besser, als die Satanisten sich selbst kannten. Und weil die Satanisten so gern mit ihm kungeln wollten, konnte Henderson viel von ihnen fordern. Und weil sie nicht wollten, dass Henderson ihre wahren Hintergründe erkannte, stellte Henderson sich insofern naiv. Und weil Henderson nicht wollte, dass die Satanisten Hendersons wahre Hintergründe erkannten, täuschte er die Satanisten insofern. Ihm war nur wichtig, dass er bekam, was er bekommen wollte, ohne zu geben, was er nicht geben wollte.
Henderson interessierte sich einen Dreck für seinen Job. Es gab nur eines, was ihn wirklich interessierte: Der weltweite Kampf gegen den organisierten Satanismus, um die Apokalypse abzuwenden.
Henderson war kein liebloser Mensch. In den Momenten, in denen seine Mitarbeiter ihn erlebten, war er genau so, wie sie ihn erlebten und weshalb sie ihn liebten. Doch er hätte sie allesamt eiskalt im Pazifik ersäuft, wenn er damit den Satanismus in die Knie bekommen hätte. Und dann hätte es ihm nicht einmal Gewissensbisse bereitet. Menschen wie Henderson konnten nur von Menschen wie ihm wirklich verstanden werden, und solche Menschen erkannten sich, auch wenn sie sich nicht kannten. Nur ihnen konnte er wirklich nichts vormachen, doch ihnen brauchte er auch wirklich nichts vorzumachen: So spezialisiert hoch gezüchtete Fanatiker kamen im Grunde aus dem selben Stall, sie waren nach dem selben Schema ausgebildet.
Natürlich hatte Henderson eine Frau, und natürlich waren beide unauffällig nach Außen. Nicht zu dick und nicht dünn trug man auf, die Ehefrau sang im Frauenchor, und man war bei wohltätigen Aktionen der Society dabei. Man flaggte am Nationalfeiertag, im Garten wuchs kein Unkraut. Haus und Autos waren immer blitzblank, Steuern und Rechnungen wurden prompt bezahlt, Gesetze nicht nachweislich gebrochen. Damit waren die Hendersons nach allen üblichen Maßstäben gute und unauffällige Kanadier.
Fast niemand ahnte, worum es Robert Henderson wirklich ging, bei allem, was er anderen vorgaukelte. Er schickte jeden Tag gigantische Datenmengen um die Welt, und er bekam jeden Tag gigantische Datenmengen. Er konnte jeden Weg nutzen, den man überhaupt nutzen konnte, um Informationen von sonst woher zu bekommen und nach sonst wohin zu liefern. Er war eine der Schlüsselfiguren im weltweit konzertierten Kampf gegen den Satanismus, er bekam jede Information schnellstmöglich und absolut sicher von einem Punkt zum anderen. Ausgeklügelte Cheffriersysteme machten sensible Informationen zu völlig unauffälligen Bestandteilen gigantischer Datenmengen, und selbst der absolut sichere Weg, von Mund zu Ohr in abhörsicherer Umgebung, konnte jederzeit arrangiert werden.
Henderson wusste, dass ihm schlimmeres als ein einfacher Tod drohte, wenn sein Wirken auffliegen würde. Alles würde man von ihm wissen wollen, unbedingt. Und abgrundtief böse würde man auf ihn sein. Beides war für Henderson tatsächlich nur unter dem Aspekt interessant, dass sie von ihm natürlich nichts erfahren durften, unter gar keinen Umständen.
Henderson war bestmöglich eingestellt, seinen Kreislauf allein durch Willenskraft zum Kollaps zu treiben, doch den Trick kannten die anderen. Keine Folter ohne medizinische Kontrolle und Lebenserhaltung, hieß es in Fällen wie dem seinen. Doch Henderson hatte noch zwei andere Tricks auf Lager, um seinem Leben schnell ein Ende zu setzen, und mindestens einen davon kannten die anderen garantiert nicht. Sollte das alles nicht klappen, dann würden sie von ihm immer noch nichts erfahren. Sie könnten ihn quälen und töten, aber sie könnten nicht die Herrschaft über seinen Verstand erzwingen, ohne ihn dabei in den Irrsinn zu treiben. Und dann könnte er nichts brauchbares mehr sagen, er wäre dann ein absoluter Vollidiot.
Henderson wusste, dass auch die Satanisten ihn nicht ewig foltern konnten. In ihrem Sinne erreichen würden sie dabei gar nichts, und das sadistische Vergnügen würden er ihnen soweit versäuern, wie es ihm möglich war. Seine in dem Falle ernst gemeinte Botschaft hieß: "Lieber lasse ich mich von Euch zu Tode foltern, als dass ich so erbärmlich leben wollte, wie Ihr es tut!" Das hörte wirklich kein einziger Satanist gern, schon gar nicht, wenn jemand es unter Folter im Brustton der Überzeugung schrie. Es machte Satanisten ihre tatsächliche Lage emotional klar, sie fühlten es in dem Moment, wie schlecht es ihnen emotional in Wahrheit ging. Und im nächsten Moment spürten sie, dass sie dem Gefolterten Unrecht taten.
Zudem hatte Henderson gegenüber seinen Todfeinden die beste Lebensversicherung der Welt. Blieben von ihm anderswo erwartete Signale aus, dann würden von mehreren Servern im arabischen Raum Emails an die wichtigsten seiner Feinde gehen, an ihre höchstpersönlichen Emailadressen. Auf Bildern könnten sie sich ansehen, was Leute wie Charles S. Eaglestone aus Satanisten aller Altersklassen machten. Das beeindruckte wirklich jeden, außer Leute wie Henderson. Er hielt direkt Kontakt zu den schlimmsten Hexenjägern Nordamerikas, die sich mit dem Vancouver-Ableger des "Ordens der schwarzen Sonne", ursprünglich gegründet von Heinrich Himmler und verbunden mit den Satanisten im alten SS-Reich, grausigste Kämpfe lieferten.
Henderson stellte sich längst nicht mehr die Frage, ob solches Vorgehen korrekt war. Es ging aus seiner Sicht absolut nicht anders, wenn man es mit Feinden zu tun hatte, die Heimtücke, Grausamkeit und Gnadenlosigkeit über alles andere glorifizierten. Stellte man dem nicht zumindest zur Not das selbe entgegen, konnte man restlos einpacken. Kein Mensch hätte sich irgendetwas ausdenken können, womit man Henderson hätte schocken können. Für Henderson war das, was andere zum Zittern oder zum Erbrechen gebracht hätte, ganz normal.
Und so wäre es im Grunde auch nichts besonderes gewesen, dass aus Europa Unterstützung angefordert wurde. Doch dieses Mal war es etwas besonderes für Henderson. In Europa war es gelungen, eine Schlüsselfigur der Satanisten lebend in die Hände zu bekommen. Und diese Schlüsselfigur war zugleich eine Schlüsselfigur im Imperium von Hendersons Arbeitgeber. Und das in doppelt pikanter Weise: Es war die Frau, die Hendersons direkten Vorgesetzten, Jim Downing, in Hörigkeit hielt. Das hieß Alarmstufe Rot für Henderson. Ein führerloser und verzweifelter Höriger war in seinem Verhalten kaum einzuschätzen. Ihm war jede noch so große Verrücktheit zuzutrauen. Henderson nahm keine Information aus diesen Kanälen auf, ohne sich vorher auf das Schlimmste einzustellen. Er hatte gewusst, dass die Frau auf der Liste war, und wollte selbst, dass man sie erwischt. Doch stets war ihm klar, dass dadurch Probleme entstehen würden, voraussehbare Probleme.
Den Satanisten würde natürlich auch auffallen, dass der Faden, an dem sie Jim Downing tanzen ließen, plötzlich verschwunden war. Damit war sicher, dass sie, sobald sie es wussten, reagieren würden, um Jim Downing an einen anderen Faden zu hängen. Das war mit massiver Hirnwäsche leicht gemacht, wurde sie nur rücksichtslos betrieben. Damit hatten Satanisten keine Probleme. Aber das war aus Sicht von Henderson zu vermeiden, denn mit Jim Downing hatte man etwas anderes vor. Man wollte ihn gemeinsam mit seiner Hexe umdrehen, um wirklich alles von beiden zu erfahren. Solche Doppelumdrehungen machten es möglich, dass Satanisten tatsächlich alles von ganzem Herzen ehrlich ausplauderten, ohne dass man sie foltern musste. Über direkte Ansprache von Urinstinkten wurde die Hexe innerlich gezwungen, sich in den Sklaven zu verlieben, dann waren ein paar Sachen zurechtzurücken, anschließend waren beide glücklich und dankbar, konnten nicht mehr begreifen, was sie vorher getan hatten. Aber sie wussten noch alles, bis ins Detail. Maximal eine Woche war nötig, um die Sache rundum perfekt zu machen. Versehen mit neuer Identität wurden sie zuverlässige Mitstreiter.
Wer sich Henderson vor Augen hielt, hätte es niemals für möglich gehalten: Seine innig geliebte Frau, die ihn ganz genauso liebte, war früher die Frau gewesen, die ihm das Leben zur absoluten Hölle gemacht hatte. Mit möglichst wenig Einsatz alles aus ihm herauszuholen, dabei selbst eiskalt und unbarmherzig zu bleiben, war das einzige gewesen, was sie bewusst von ihm gewollt hatte. Denn auf der anderen Seite war sie selbst eine Hörige gewesen, war es ihr nicht besser ergangen als Henderson. So sieht das typische Schicksal einer Hexe aus, das wusste Henderson ganz genau. Henderson konnte Hexen nicht einfach deshalb hassen, weil sie Hexen waren. Seine eigene Frau war ihm der unumstößliche Beweis, dass in jeder Hexe eine gute Frau steckte, zwar tief vergraben, aber unter entsprechenden Umständen jederzeit ans Tageslicht zu bringen. Man musste sie dazu nur glücklich machen, nach Lage ihrer Triebe, nicht unbedingt nach dem, was sie bewusst sagte oder meinte, wie Henderson wusste.
Beide Hendersons waren Satanisten gewesen, beide hatten schreckliche Dinge getan gehabt, und beide waren gemeinsam umgedreht worden. Es kam nicht von ungefähr, dass Henderson die Menschen vorzugsweise mit Wohlgefühl manipulierte, er wusste aus eigener Erfahrung, wie gründlich das Mittel wirkt, wird es richtig eingesetzt.
Und natürlich wusste Henderson auch aus eigener Erfahrung, wie man einen Hörigen am einfachsten dorthin bekommt, wo man ihn haben will: Man muss ihn nur von der Person rufen lassen, die ihn beherrscht. Die Person hatte man im Falle Downings. Und nun musste Jim Downing solange von allen Satanisten abgeschnitten werden, bis die Frau in Europa zum Rufen bereit war. Häscher waren nicht immer die besten Überzeuger, zudem musste die Frau erst an einen passenden Ort gebracht werden. Vor sieben Minuten hatte man sie sicher in den eigenen Händen, doch es konnte noch eine Stunde dauern, bis alles soweit war. Bis es soweit war, dass sie ihn so anrufen würde, wie man es von ihr wollte.
Verzweifelt und sehnsüchtig nach Downing musste sie klingen, aber nicht todesängstlich. Nicht Angst, sondern Hoffnung sollte Downing treiben. "Ich brauche Dich unbedingt, Du musst sofort kommen! Nur Du kannst mir helfen, stelle jetzt keine Fragen, dann wird wirklich alles gut! Lasse Dir einen Learjet für Binnenflug bereitstellen, setze Dich sofort ins Auto, und nimm Anrufe nur noch unter meiner Nummer an! Ich werde Dich bald anrufen! Bitte, komme ganz schnell zu mir, ich muss jetzt auflegen!" Das enthielt alles, was es enthalten musste. Mit großem Mund würde er bis zum Ende zuhören, dann wie elektrisiert von seinem Stuhl hochjagen, und einen kurzen Moment wortlos bleiben. Dann würde er unglaublichen Eifer zeigen, so schnell wie möglich in sein Auto zu kommen. In dem Falle reichten ihm Pass und Scheckkarte, und diese Dinge hatte er stets bei sich. Das alles wusste Henderson, bevor es geschah.
Genau sieben Minuten nach Eingang der Nachricht saß Henderson mit einer speziell angefertigten Präsentationsmappe im Büro von Jim Downing. Natürlich wusste Henderson, womit er das Interesse seines formalen Vorgesetzten, der ihm ihn Wahrheit nichts zu sagen hatte, ansprechen konnte. Dabei war die Mappe nur Beiwerk, die Hauptsache bot Robert Henderson wie immer selbst. Und selbstverständlich bat Henderson um ungestörten Vortrag, außer natürlich in ganz dringenden Fällen. Nun war Downing nur noch per Handy und nur noch für zwei mögliche Anrufer erreichbar: Für seine Hexe und für seinen eigenen Vorgesetzten. Alles andere war nun abgeblockt.
Selbst, wenn es den Satanisten bereits aufgegangen war, dass Downings Hexe entführt war, so hieß das nicht unbedingt, dass sie Hendersons Gespräch mit Downing deshalb stören würden. Aus ihrer Sicht konnten sie auch das Ende des Gesprächs abwarten. Darauf hoffte Henderson. Sollte es anders kommen, musste er eingreifen. Irgendetwas fiel ihm immer ein. Als das Telefon schellte, zeigte Henderson kein besonderes Interesse daran, obwohl er seine Antennen sofort auf sensibelsten Empfang einstellte.
Downing musste die Rufnummer sehen, bevor er sprach. Bereits an seiner Begrüßung musste klar werden, mit wem er sprach. Euphorisch legte er los:"Schön..." und brach sofort ab. Er zeigte exakt das erwartete Verhalten, zum ersten Mal komplimentierte er Henderson aus seinem Büro hinaus, und wollte es zeitgleich mit ihm verlassen. "Mir ist etwas absolut dringendes dazwischen gekommen, Mr. Henderson, ich habe keine Zeit für Erklärungen. Geben Sie meiner Sekretärin bitte Anweisung, sofort meinen Wagen klar machen zu lassen, einen Binnenflieger bereit stellen zu lassen und alle Termine zu canceln. Ich bin unterwegs." Henderson sah Downing hoch erstaunt an, sagte nur "OK, Mr. Downing.", und schon war Downing verschwunden. 23 Minuten war es gerade her, dass Downings Hexe entführt war, die Leute in Europa waren erstaunlich professionell geworden.
Nicht einmal von seiner Sekretärin verabschiedete Downing sich, nicht eine Zehntelsekunde hatte er verlieren wollen. Mrs. Langton schien fassungslos, als sie ihren Chef wortlos davon stürzen sah, und Henderson sah staunend und Schulter zuckend zu ihr hinüber: "Mr. Downing bekam einen Anruf auf sein Handy, und wollte sofort aufbrechen, ohne Zeit für Erklärungen zu haben, Mrs. Langton. Er lässt Sie über mich bitten, seinen Wagen und einen Binnenflieger für ihn bereit stellen zu lassen und seine Termine für heute zu canceln, Mrs. Langton."
Nun stand Mrs. Langton die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben: "Sein Fahrer hat soeben einen Elektronikschaden am Wagen gemeldet, und gerade im Moment sind alle anderen Wagen unterwegs!" - "Um Himmels Willen!", sagte Henderson betroffen, obwohl ihm beides klar gewesen war. Der Elektronikschaden war ebenso wenig Zufall wie der plötzlich hohe Einsatz von Autos. Es waren Hendersons Leute, die seit Tagen die Fahrzeugflotte mit aller Macht in Beschlag hielten, der Elektronikschaden hingegen war spontan herbei geführt.
Henderson kannte Mrs. Langton nur von wenigen beiläufigen Begegnungen, aber er kannte sie ganz genau. Erstens war sie eine Satanistin, sonst wäre sie nicht Sekretärin eines Satanisten gewesen, außerdem erkannte Henderson jeden Satanisten an dessen Gefühlsäußerungen und Worten, so auch Mrs. Langton. Zweitens war Downing ihr nicht hörig, war also nicht verpflichtet, ihr alles zu sagen. Solange in Mrs. Langton kein Argwohn aufkam, dass Downing insgeheim gegen den Satansbund handelte, hatte sie Downings Tun nicht zu hinterfragen, war sie eine ganz normale Chefsekretärin für Downing.
Kam allerdings Argwohn in ihr auf, so musste sie das absolut sofort weitermelden. Andernfalls drohte ihr sehr unangenehmes, falls man es herausbekam. Mit diesem System hielten die Satanisten sich gegenseitig in Schach, wie Henderson wusste. Für Henderson war deshalb klar, dass Mrs. Langton solange keinen Argwohn empfinden durfte, wie Downing nicht im Flieger saß. Zumindest tief in Mrs. Langton war aber bereits Argwohn. So reagierte der Mensch auf alles, was aus dem normalen Rahmen fiel, wie Henderson klar war. Leider war es unmöglich gewesen, Downing einerseits aus dem Stand in höchsten Eifer zu treiben, andererseits sicherzustellen, dass dieser Eifer nicht einmal seiner Sekretärin auffallen würde. Der Argwohn der Mrs. Langton war ein von Henderson kalkuliertes Übel.
Andererseits steckte in Mrs. Langton, wie gesagt, auch die ganz normale Chefsekretärin. Und die Aufgabe einer Chefsekretärin bestand darin, dem Chef umsichtig und einsatzbereit die Arbeit zu erleichtern und zu ergänzen, wie Henderson wusste. Dafür, ob diese Arbeit gut gemacht wurde, gab es für die Chefsekretärin nur einen Maßstab: Die Zufriedenheit ihres Chefs. Und ob ihr Chef zufrieden war, spürte sie an seinem Verhalten ihr gegenüber. War sein Verhalten ihr gegenüber von herzlicher Dankbarkeit geprägt, dann fühlte sie sich warm gestreichelt, ging er aber achtungslos mit ihr um, so fühlte sie sich sofort schwer beleidigt. Downing war achtungslos mit Mrs. Langton umgegangen, auch das war nicht zu verhindern gewesen. Deshalb war nicht nur der Argwohn geweckt, sondern Mrs. Langton fühlte sich auch noch schwer beleidigt. Eine schwer beleidigte Mrs. Langton, deren Argwohn geweckt war, konnte Henderson in dieser Lage absolut nicht gebrauchen, sie konnte alles kaputt machen. Deshalb musste Henderson sich ein wenig Zeit für sie nehmen.
- Fortsetzung folgt -
| Dezember 2009 | ||||||||||
| M | D | M | D | F | S | S | ||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | |||||
| 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | ||||
| 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | ||||
| 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | ||||
| 28 | 29 | 30 | 31 | |||||||
|
||||||||||