Mrs. Henderson, etwas verdattert: "Um Himmels Willen, Mary! So hatte ich das gar nicht betrachtet! So war es doch ehrlich gar nicht gemeint gewesen! Mrs. Downing, obwohl ich im Falle eines Falles stets mein Bestes gebe, doch wenn Mr. Steinberg Ihnen gegenüber fehlen sollte, dann wäre er wohl doch besser dran, wenn er mir, nicht Ihrer Herzensfreundin Mary in die Hände fiele. Das absolut letzte, was ich wagen würde, wäre es, einer Herzensfreundin von Mary auch nur das geringste Leid anzutun, an der Stelle wird sie völlig humorlos. Liebe Mary, ich selbst würde vor Angst verrückt, wenn Du wirklich böse auf mich wärest! Das weißt Du doch auch ganz genau! Mrs. Downing, Mr. Steinberg, ich möchte auch noch wahrheitsgemäß darauf hinweisen, dass nicht einmal Mossad und CIA sich ohne größte Not auch nur an einer von Marys Herzensfreundinnen vergreifen würden, so schrecklich können sie allesamt und sonders sein, und so groß ist ihre Treue untereinander. Und keine ist treuer und im Falle eines Falles schrecklicher als Mary, das ist die Wahrheit! Liebe Mary, Du weißt, was Du nicht nur mir, sondern uns allen bedeutest, wie konntest Du von mir annehmen, ich wisse Deine Herzensfreundschaft nicht zu schätzen!"
Shelton, offensichtlich bis zur Verlegenheit gestreichelt: "Liebe Patricia, Du überschüttest mich so mit Lob, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich sagen soll! Du hast ja im Grunde recht, ich war einfach zu empfindlich. Liebe Patricia, unsere Herzensfreundschaften bedeuten ir ebensoviel wie Dir, und Deine Herzensfreundinnen können sich auf Dich verlassen, wie meine sich auf mich, das wissen wir doch beide! Und wenn Du wirklich böse wirst, liebe Patricia, dann bleibt jedem das Herz stehen, dann bist Du doch die Schrecklichste! Wir alle zusammen hätten dann ehrlich die größte Angst vor Dir! Das weißt Du auch ganz genau, liebe Patricia! Lasse uns die Sache bitte einfach vergessen, liebe Patricia!"
Mrs. Henderson: "Sehr gern, liebe Mary, wir haken es einfach ab!" So lieb, wie die Runde der Herzensfreundinnen im allgemeinen war, so ultimativ schrecklich war jede einzelne von ihnen, wenn es sein musste. Immer wieder mussten sie sich sensibel gegenseitig versichern, wie lieb sie sich hatten, um keine Angst vor einander zu bekommen. Zudem gab jede klar zu verstehen, dass sie es sehr wohl wusste, wer im Falle eines Falles den Kürzeren ziehen würde: Diejenige, die im Unrecht war, denn die andere war stärker motiviert. Damit war dann auch noch klar, dass keine so dumm sein würde, einen Angriff auf eine der anderen zu wagen. Man liebte sich maximal und hegte latent maximale Furcht vor einander. Auf dieser Grundlage war felsenfeste Treue das selbstverständliche Ergebnis. Doch für die Art der notwendigen Beziehungspflege fehlte Dorothy Downing noch das nötige Verständnis.
Mrs. Downing: "Mrs. Henderson und Mary! Bei allem Respekt vor Eurer Treue, Eurer Zuneigung und der Euch möglichen Schrecklichkeit will ich es nicht, dass Ihr dem Mr. Steinberg jetzt noch Angst macht! Mr. Steinberg, Ihr Antrag ehrt und freut mich von ganzem Herzen, und so nehme ich ihn an. Über die Details muss ich aber noch mit meiner Freundin Mary allein reden. Das geht nicht gegen Sie, Mr. Steinberg, ich will es nur sicherstellen, dass unsere Beziehung für beide rundum glücklich wird. Von einseitiger Liebe habe ich nämlich genug, Mr. Steinberg."
Steinberg: "Sie erfüllen mir mit der Annahme des Antrages meinen größten Herzenswunsch, Mrs. Downing. Wenn Sie in unserem gemeinsamen Interesse mit Ihrer Herzensfreundin allein reden wollen, so werte ich das als Zeichen der Ernsthaftigkeit Ihres Interesses und freue mich sehr darüber. Mir ist es ganz genauso ernst, Mrs. Downing. Ich will Sie von ganzem Herzen lieben, Mrs. Downing, es würde mich aber umbringen, wenn Sie mich dann nicht ebenso liebten!"
Shelton: "Patricia, wie hast Du solche Sensibilität in den Mann hineinbekommen? Und solche Offenheit und Ehrlichkeit in Angelegenheiten seiner eigenen Gefühle? Patricia, Du wärest unsere Königin, wenn wir nicht Anarchisten wären! Mr. Steinberg, ich muss meine Freundin akut Ihrer Nähe entziehen, sie braucht tatsächlich ein paar Tipps in Ihrem gemeinsamen Sinne. Ihnen, Mr. Steinberg, mein persönliches Kompliment dafür, dass Sie offen und ehrlich zu Ihren Gefühlen stehen!. Sie werden Dorothy Ihre Liebe beweisen, und Dorothy wird Ihnen ihre Liebe beweisen, Mr. Steinberg. Und alles wird so geschehen, dass Sie selbst es sicher spüren, dass Dorothy es ehrlich mit Ihnen meint. Ich habe volles Verständnis für Ihre Ängste, und Dorothy wird sie Ihnen nehmen. Und das wird sehr schön für Sie sein, Mr. Steinberg! Ich werde Dorothy nur die liebevollsten und lustvollsten Tipps geben, Mr. Steinberg! Dorothy wird Ihnen gleich Wünsche erfüllen, die nur eine Göttin der Lust und Liebe erfüllen kann! Mr. Steinberg, Sie werden gleich die höchste Lust und Geborgenheit erleben, die Sie überhaupt empfinden können! Sie dürfen sich jetzt schon freuen, Mr. Steinberg!"
Mrs. Downing: "Mrs. Henderson, ich werde es ganz bestimmt nicht missbrauchen, denn ich liebe ihn von Herzen, aber ich bekomme ihn doch gefesselt in meine Hände, oder?"
Mrs. Henderson: "Er wird nicht losgebunden, bevor sein Herz in Ihrer Hand liegt, Mrs. Downing. Und Ihr beide, Mrs. Downing und Mary, solltet Euch schämen, einen gefesselten Mann verrückt zu machen, der sich einwandfrei anständig benimmt und dem es noch dazu um eine Herzenssache geht. Mr. Steinberg, ich möchte mich bei Ihnen im Namen der Frauen für das unwürdige Verhalten meiner Freundinnen entschuldigen. Ich werde Sie jederzeit zuverlässig vor diesen beiden ungezogenen Schulmädchen beschützen, wenn es nötig werden sollte. Verlassen Sie sich darauf ganz beruhigt, Mr. Steinberg!" Auch das war Naturschema. War einem Mann nichts vorzuwerfen, so wurde er von anderen Frauen in Schutz genommen, wenn die einen Frauen ihm gegenüber zu weit zu gehen drohten. Es war ein echter Rüffel gewesen, den Mrs. Henderson ausgeteilt hatte, bevor das Ganze womöglich böser werden konnte. Entgleisungen im Sozialverhalten wurden sofort im Keim erstickt. Mrs. Henderson achtete nicht nur darauf, dass Steinberg lieb war, sondern ebenso darauf, dass alle lieb zu ihm waren, solange er selbst auch lieb war. So gewann sie Steinbergs Vertrauen und Zuneigung, denn so begriffen Steinbergs Gefühle, dass sie es gut mit ihm meinte.
Steinberg: "Mrs. Henderson, unter Ihrem Schutz fühle ich mich absolut sicher, und dafür danke ich Ihnen sehr. Ihre Entschuldigung möchte ich aber als unnötig zurückweisen. Seinen Stolz behält ein Mann auch dann, wenn er gefesselt ist. Mit Mrs. Downing werde ich die Angelegenheit selbst klären, sofort nachdem ich ihr Mann sein werde. Was Mrs. Shelton betrifft, so bin ich ihr für ihr Eintreten überaus dankbar. Wie alle Texaner hat sie ein goldenes Herz, Mrs. Henderson. Aber alle Texaner haben Angst, dieses Herz ganz zu zeigen. Sobald sie herzensgut waren, meinen sie, das Gegenteil von Herzlichkeit nur zum Scheine zeigen zu müssen. Mehr war das nicht aus meiner Sicht, Mrs. Henderson. Das lag nicht an den Frauen, das lag an Texas. Daran werde ich mich ohnehin gewöhnen müssen, wie es aussieht, oder welche Alternative sehen Sie, Mrs. Henderson?"
Im Zuge der Umdrehung von böse auf lieb erfolgte sofort eine vollständige Umsetzung der rationalen Fähigkeiten auf das neue Schema, Steinberg hatte seinen Charme mitgenommen. Mrs. Henderson konnte ihm keine Alternative nennen. Der Mann einer Frau war im Naturschema mit jeder ihrer Herzensfreundinnen in permanentem rituellen Kampf, sobald sie sich nur sahen. Es ging gar nicht anders. Nicht etwa, weil man sich böses wollte, sondern, weil man sich immer wieder beweisen musste, dass man sich nichts böses wollte. Zwischen Steinberg und Mary Shelton konnte es gar nicht anders laufen als zwischen Robert Henderson und Mary Shelton. Instinktiv hatte Steinberg erkannt, womit er Shelton angreifen konnte, ohne sie zu verletzen. Sollte sie zu weit zu gehen drohen, dann brauchte er nur zu sagen: "Mary , ich habe Dich trotzdem lieb. Die ganze Welt weiß doch, dass Euch Texanern manchmal etwas Sensibilität fehlt. Darum habe auch ich dafür Verständnis, für seine Herkunft kann schließlich niemand etwas." Sofort würde jede Situation damit auf ein Kampffeld umgelenkt, auf dem keiner von beiden dem anderen weh tun konnte. Indem beide das Spiel aufnahmen, zeigte jeder dem anderen, dass er ihm gar nicht weh tun wollte, jeder Ärger verflog, und man begann zu scherzen. Natürlich zog die Masche nur solange, wie Shelton keinen wahren Grund zum Ärger über Steinberg hatte, sonst hätte sie das Spiel zunächst abgelehnt.
Mrs. Shelton: "Mr. Steinberg, wir Texaner würden niemals jemanden fragen, ob er aus Texas komme. Denn wenn jemand aus Texas kommt, dann sagt er es mit berechtigtem Stolz von ganz allein, auf der ganzen Welt. Sagt jemand es nicht, dass er Texaner sei, dann ist er keiner. Warum sollten wir den armen Menschen dann noch demütigen, indem wir ihn das zugeben lassen? In Wahrheit gehen wir also sehr sensibel mit nicht Texanern um, wir beiden werden schon klarkommen, Mr. Steinberg."
Mary Shelton signalisierte kurz, dass sie das rituelle Schema aufzunehmen bereit war, damit
akzeptierte sie Steinberg als Mann ihrer Herzensfreundin ihm gegenüber.
Steinberg: "Das werden wir ganz sicher, Mrs. Shelton. Aber ich muss Sie warnen: Notfalls würde ich so lange vor Mrs. Downing und Mrs. Henderson weinen, bis Ihre Herzensfreundinnen mich vor Ihnen in Schutz nehmen würden."
Ist ein Ehepaar durch gegenseitige Herzensliebe miteinander verbunden, so gilt das auch für die Herzensfreundinnnen der Frau und den Mann der Frau, wenn natürlich auch anders. Steinberg hatte signalisiert: "Auch ich will Herzensfreundschaft mit Dir! Selbst wenn Du zu weit gehen solltest, dann werde ich Dir nichts tun, ich verlasse mich auch dann auf Deine Herzensfreundschaft, denn Deinen eigenen Freundinnen gegenüber wirst Du Dich dann erklären müssen." Über diesen Mechanismus war die Herzensfreundin der Ehefrau absolut sicher davor geschützt, dass der Mann womöglich aggressiv werden konnte. Das war für den Mann kein Verlust, denn von ihrer Herzensfreundin erwartete eine Frau auch zugeneigte Haltung gegenüber ihrem Ehemann, solange die gegenseitige Liebe in der Ehe stimmte. Zwischen diesen beiden Personen, Herzensfreundin und Ehemann, stand die Frau stets auf der Seite, die im Rechte war. Was sollte der Mann sich also mit der Herzensfreundin seiner Frau im Bösen streiten, wenn seine Frau ihm das so gern abnahm, falls es nötig wurde? Das System war primitiv und genial, über die unterschiedlichen Arten von Herzensbeziehungen wurde ideales Sozialverhalten automatisch erzwungen. Das empfand aber keiner so, weil sich alle dabei gut fühlten, es entsprach den Trieben.
Das "Du" würden Shelton und Steinberg sofort nach der biologischen Hochzeit von Steinberg und Downing austauschen, erst dann konnte Shelton Steinberg garantiert nicht mehr sexuell reizen, so dass sich insofern keine Konkurrenz mehr zu Mrs. Downing ergeben konnte. Selbst zwischen Herzensfreundinnen konnte es zum Kampf um den Mann kommen, solange der Mann innerlich frei war. Dass bedeutete keineswegs das Ende der Herzensfreundschaft. Nur in jeweils gleicher Weise schlugen beide sich von vorn mit flachen Händen auf den Rücken, so dass beide den gleichen Schmerz spürten. Die Frau, die den Mann nach ihren Gefühlen nötiger hatte, bekam ihn. Das wollten beide von Anfang an, wenn sie Herzensfreundinnen waren. Die Frau, die unter Schmerzdruck aufgab, obwohl sie alles gegeben hatte, verlor in dem Moment jedes innere Interesse am Mann, die Siegerin behielt ihr ganzes Interesse am Mann. Nach dem Kampf blieb der Mann zunächst links liegen, weil die Frauen zuerst das Ritual der Freundschaft untereinander vollzogen. Die Verliererin wünschte der Siegerin von Herzen Glück für die Ehe, die Siegerin bedankte sich demütig und wünschte ihrer Freundin von Herzen den nächsten Mann. Alles nur über die Augen, solange, bis sie sich weinend in die Arme fielen und sich gegenseitig ganz feste drückten.
Eine von ihrem Mann bereits geliebte Frau konnte ihren Mann aber jederzeit mit ihrer Herzensfreundin allein lassen, ohne dass es irgendwie schaden konnte. Die Freundin konnte den Mann sexuell nicht mehr reizen, weil er auf seine Frau vollständig fixiert war. Damit war sie selbst im Falle anderen Willens chancenlos, solange sie ihn nicht im wehrlosen Zustand massiv manipulieren konnte. Darüber dachte eine Herzensfreundin erst dann nach, wenn es keinen einzigen anderen Mann für sie geben konnte, weil man zu Dritt auf einer Insel war, für alle Ewigkeit. Im Extremfall hätte sie dann sogar die Herzensfreundin getötet, das wäre dann echte Notlage gewesen, die Sozialverhalten außer Kraft gesetzt hätte.
Mr. Steinberg hatte nicht nur Mary Shelton als Herzensfreundin seiner baldigen Frau akzeptiert, sondern auch zu erkennen gegeben, dass seine Instinkte im Notfalle auch bei Patricia Henderson Schutz suchen würden. Sie war unter höchstem Gefühlsdruck mit ihm so umgegangen, dass sie, ob er wollte, oder nicht, ihm innerlich zur "großen" Schwester wurde. Die Position der Mutter konnte nur einmal Platz im Männerherz finden, für eine weitere Herzensschwester war grundsätzlich immer Platz, wenn der Mann absolut kein sexuelles Interesse spürte. Ebenso natürlich für Herzenstanten, die altersmäßig nicht dem Mann, sondern seiner Mutter entsprachen, und entsprechend auch für Herzensnichten. Und das lag tatsächlich nur an der Frau. Interessierte sie sich selbst sexuell nicht für den Mann, dann konnte sie mit umgehen, ohne irgendwelche sexuellen Reize an ihn zu senden. Sandte eine Frau keine sexuellen Reize an einen innerlich ungebundenen Mann , was absolut in ihrer Hand lag, dann weckte sie kein sexuelles Interesse in ihm. Sie brauchte den Mann nur exakt so zu behandeln, als sehe sie selbst den Bruder, den Neffen oder den Onkel in ihm, dann reizte sie ihn sexuell nicht mehr, solange er nicht sozial verrückt war. Deshalb hatte Steinberg sich nicht in Patricia Henderson verliebt, obwohl er innerlich eine Frau suchte und herzliche Zuneigung zu Patricia Henderson aufbaute. Sie hatte ihm in seiner Lage kein einziges sexuelles Signal senden dürfen, sonst hätte er sich "rettungslos" verliebt. Seine Sehnsucht nach Liebe war unermesslich, als er Todesangst hatte, und mit jedem sexuellen Signal an einen Mann signalisiert die Frau seinen Gefühlen: "Dich will ich lieben, und von Dir will ich geliebt werden!".
Dass sich die Männer nicht verlieben konnten, stellte Patricia Henderson nicht nur durch Enthaltung sexueller Reize sicher. Die in nüchternen Worten ausgesprochene Drohung, den Mann im Falle auch nur einer einzigen Unartigkeit herzlos und grausam sexuell zu versklaven, vermasselte jedem Mann jedes sexuelle Interesse an einer Frau schlagartig, wenn er ihr die Durchsetzung eines solchen Vorhabens zutraute. Er würde ihr nicht einmal mehr nahe kommen wollen, solange er sich nicht sicher fühlte, dass sie diese Drohung nicht wahr machte. Unter Patricia Hendersons Augen würde Steinberg immer artig sein, das saß in jeder Weise ganz tief in ihm. Das gleiche galt für die Augen von Mary Shelton, die glaubhaft für sich beansprucht hatte, aus Steinbergs Sicht noch fürchterlicher sein zu können als der aktuell fürchterlichste Schrecken überhaupt. In seinem ganzen Leben würde Steinberg nicht darüber nachdenken wollen, was Henderson und Shelton mit ihm machen würden, sollte er nicht lieb zu Dorothy sein. Er wollte es gar nicht wissen, welche der beiden im Falle eines Falles wirklich noch fürchterlicher sein konnte als die andere.
Auch unter den Augen von Dorothy würde Steinberg immer lieb sein wollen. Dafür sorgte Dorothy, indem sie ihm das gab, was sie Jim nicht gegeben hatte, höchste Lust und Geborgenheit. Drei Frauen hielten die Gefühle Steinbergs absolut zuverlässig in Schach, und dabei fühlte er sich wohl. Patricia Henderson und Mary Shelton mochten ihn, gingen sehr gern lieb mit ihm um. Und Dorothy Steinberg gab sich die größte Mühe, es ihm in allem recht zu machen, auch in Sachen Lust und Geborgenheit. Das alles hatte Steinberg nur, weil er lieb war und alles tat, um Dorothy glücklich zu machen, auch in Sachen Lust und Geborgenheit. Billiger konnte es gar nicht gehen, denn all das machte ihm selbst Freude.
Steinberg fühlte sich im Himmel, der Schrecken der Angst wirkte nur noch absichernd, latent, nicht spürbar. Doch würde Dorothy einmal aus wahrem Herzen sagen: "Das ist aber nicht lieb von Dir!" Dann wäre Steinberg gleich dreifach geschlagen, sofort würde er Einsehen zeigen, vor Dorothy auf die Knie gehen und sie weinend um Verzeihung bitten, bis es ihr das Herz bräche. Und aus Liebe zu ihm würde sie ihm dann versprechen, niemandem ein Wort darüber zu sagen, auch nicht ihrer Herzensfreundin. Erst dann würde er wirklich beruhigt sein. Ihrer Herzensfreundin würde sie es dennoch anvertrauen, und die würde ihr sagen: "Richtig gemacht, Dorothy. Manchmal müssen sie etwas nach gebogen werden, so sind sie. Selbstverständlich werde ich es mir nicht anmerken lassen, dass Du es mir erzählt hast, Dorothy, darauf kannst Du Dich fest verlassen. Solange, wie Du ihn selbst im Griff hast... Aber dass er wegen solch einer Kleinigkeit meint, er müsse Angst vor mir haben..."
Und dann würde Dorothy sagen: "Er hat keine Angst vor Dir, er würde sich Dir gegenüber schämen. Es tat ihm einfach wirklich sehr leid." Dann würde ihre Herzensfreundin zum Beispiel sagen: "Nachdem Du drei Monate im Krankenhaus warest, Dorothy, solltest Du Dich ganz schnell darum kümmern, dass Du seine Liebe wieder sattelfest machst, das darfst Du nie vergessen!" Es war im Naturschema ein sicherer Beweis für emotionale Vernachlässigung des Mannes, wenn er nicht wirklich bei allem, was er tat und dachte, von ganzem Herzen auch liebevoll an seine Frau dachte. Solange Dorothy Steinberg glücklich machte, hatte er bereits deshalb keine Chance, aus dem Naturschema auszubrechen. Allein mit Dorothy hatte er bereits alles, womit er sich rundum wohl fühlen konnte. Vernachlässigte Dorothy ihn aber aufgrund von Krankheit oder gar plötzlichen Todes, dann wurde Rückfall auch durch Angst vor Shelton und Patricia Henderson verhindert. Henderson hatte ihre Drohung nicht aufgehoben, und Shelton war auch Patricia Hendersons Herzensfreundin, stand damit bei allem zumindest notfalls an ihrer Seite. Jedenfalls wurde eine Herzensfreundin hinsichtlich der Ehe einer Frau nur dann über die reine Beratung hinaus aktiv, wenn die Frau die Sache beim besten Willen nicht mehr allein regeln konnte.
Die Herzensfreundin knüpfte sich den Mann im Naturschema vor, wenn die Frau ihren Mann nicht mehr im Griff hatte. Zunächst versuchte die Herzensfreundin es über ihren eigenen Mann, der im Naturschema ein Freund des Mannes der Herzensfreundin war: "Entweder, Du knüpfst Dir Deinen sauberen Freund vor, und regelst die Sache vernünftig, oder ich mache es selbst!" Aus Rücksicht auf den Freund übernahm der Mann allerdings naturgemäß die Sache. So wurden Konflikte schonender geregelt und in die Gruppe verlagert, in der die Ursache zu suchen war. Alles lief in beide Richtungen gleich, ein unterdrückter Mann konnte seine Freunde mobilisieren, damit diese wiederum ihre Ehefrauen in der Sache mobilisierten. Dann knüpften die Frauen sich das weibliche Ungeheuer vor, um ihren Mann aus der Unterdrückung zu befreien. Doch nicht nur der überzogen stark auftretende Teil einer Ehe wurde gemaßregelt, sondern auch der andere. Der unterdrückte Partner erfuhr Tipps und moralische Unterstützung, wurde angetrieben. So wurden beide zu Ritualen hin gezwungen, die höchste gegenseitige Liebe an die Stelle von Asozialität setzten. Es wurde nicht lange gefackelt, die ganze Sippe hatte für unnötigen Stress und frustrierte Gesichter nichts übrig.
Die Regulierungssysteme waren so hocheffizient, dass grundsätzlich erst gar nichts anbrennen konnte. Nur in Notlagen kam es in der Natur überhaupt zu starken Abweichungen vom gesunden Pfad, und das wurde dann durch Rituale ausgebügelt. So gut es ging, bauten die Hendersons die natürlichen Regulierungssysteme nach.
Steinberg würde Mr. Hendersons Männerfreund werden, das war gar keine Frage. Und ihm würde er es auch beichten können, wenn er doch einmal nicht ganz so lieb gewesen sein sollte und Angst vor Mary und Patricia haben sollte. In dem Falle würde Robert Henderson ihn selbst an seine Ehefrau nicht verraten, würde aber sein bestes tun, Steinberg zur vollendeten Buße gegenüber Dorothy zu bewegen. Nur dann, wenn er Steinberg nicht mehr im Griff haben würde, dann musste er es seiner Frau Patricia sagen. Aber das wusste Steinberg jederzeit, insofern war er gewarnt. Und damit ging es ihm auch nicht anders als allen anderen.
Unbegrenztes Vertrauen gab es nicht - sobald jemand gemeingefährlich ausscherte, verlor er insofern den Anspruch auf Vertrauen, bis er wieder auf Kurs war. War er nicht auf Kurs zu bekommen, im Falle einer Hirnerkrankung etwa, dann wurde er ausgesondert, getötet oder unter Kontrolle gehalten. Das war Natur, Henderson hielt nichts von aussondern und töten.
Dorothy Steinberg und Patricia Henderson würden Herzensfreundinnen werden. Da Herzensfreundinnen wie Herzensfreunde sich unumwunden über Sex austauschten, würden die Steinbergs alles über das Sexualleben der Hendersons und die Hendersons alles über das Sexualleben der Steinbergs wissen. Ohne, dass es einen störte: Die Männer knobelten, wie sie die Frauen am besten glücklich machen konnten, die Frauen, was sie demnächst mit den Männern anstellen wollten. Solche Projekte beförderten die Lebensfreude. Rituell kämpften die beiden Männerfreunde auch im Doppel gegen ihre Ehefrauen, war man zu viert, dann war genau das die Regel. Überall, auch in der Ehe, wurde rituell gekämpft. Auch dafür lieferten einerseits die Männergemeinschaft, andererseits die Frauengemeinschaft die Rezepte. Kein Mann erfuhr höhere Lust als der, der seine Frau so bis zur Weißglut getrieben hatte, dass sie ihm absolut nicht böse sein konnte. Nur dann war sie zugleich maximal liebevoll und maximal entschlossen. Nach dem Schema: "Frauen sind ein Fehler der Natur, und auch Du bist eine Frau!" war es wichtig, absolut untaugliche Argumente zur Untermauerung weiblicher Fehlerhaftigkeit mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit vorzutragen. Solange, bis in der Frau der zwingende Wunsch entstand, sich vom Manne ihren wahren Wert beweisen zu lassen.
Hatte sie ihm den Beweis für ihn lustvoll genommen, dann wollte sie selbst Lust von ihm. Dann war es durchaus in ihrem Interesse, den Mann liebevoll zu provozieren, damit er sein Bestes gab. Niemals hätte sie ihm sagen dürfen, irgendein anderer Mann könne sie womöglich besser beglücken, doch jederzeit konnte sie ihn ohne Verletzung provozieren, indem sie nachdenklich sagte: "Manchmal frage ich mich, ob Sex mit einer Frau nicht schöner wäre als mit einem Mann. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass mich ein anderer Mann glücklicher machte als Du. Aber weißt Du, Frauen sind so unvorstellbar einfühlsam ... und Frauen machen alles so entschlossen... Es ist wirklich wunderschön mit Dir, das weißt Du auch, aber vielleicht könnte eine Frau ja noch mehr... "
Auf diesen Trick fiel der Mann immer wieder herein, auch wenn er ihn in- und auswendig kannte und ihn durchschaute. Darauf reagierte er instinktiv, so zwang die Frau ihn, sein Bestes für ihre Gefühle zu tun. Damit der Trick sicher funktionierte, behaupteten alle Frauen der Welt, Frauen seien einfühlsamer als Männer und würden entschlossener handeln. Höchstens unter Folter würde eine Frau sich anders äußern, so dass die Männer sich niemals wirklich sicher fühlen konnten, dass Frauen nicht auch ganz ohne sie auskommen würden.
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