Dann gab es noch ein Heer an Schläfern, die aus ihren Positionen heraus bereits subtil Widerstand leisteten und den Satanisten dadurch die Sache schwer machten. Selbst in Konzentrationslagern hatte man inneren Widerstand nur solange absolut im Griff gehabt, wie die SS direkt in Sichtweite war. Mehr war einfach nicht zu machen, auch wenn es den Satanisten noch so wenig passen mochte. Absolut alles, was Satanisten an Knechtschaftsdruck erzeugten, war stets und immer Potential für inneren Widerstand. Das war führenden Köpfen auf allen Seiten klar. Manche meinten dazu, es sei besser, den Knechtungsdruck durch Sabotage zu erhöhen, als es den Satanisten zu gestatten, ihre Macht durch zusätzlichen Knechtungsdruck auszubauen. Vereinfacht gesagt: Je schneller alles den Bach heruntergehen würde, ohne dass die Satanisten davon etwas hätten, desto besser. Über dieses Mittel schwächte man einerseits die Satanisten, andererseits erhöhte man das latente Potential gegen sie. Es ist Naturgesetz, dass latentes Potential nicht beliebig gesteigert werden kann, ohne dass es zu einer Entladung kommt. Und wie individuell beim Menschen, wo es stets darum geht, Gefühlsdruck soweit zu steigern, dass eine Wirkung schlagartig erreicht wird, verhält es sich auch bei anwachsendem sozialen Druck. Lange zeigt sich kaum Wirkung, dann fliegen die Fetzen von einem Moment auf den nächsten. Die ganze Menschheit ist ein Organismus.
Die Satanisten hatten also ein paar Probleme. Selbst ohne bewussten Widerstand auf Seiten der Menschen waren Satanisten nicht fähig, Herrschaft über den Menschen zu maximieren, ohne den Menschen auf breiter Front zu einem Halbidioten zu machen. In den USA wusste der normale Schüler kaum noch, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel war, noch weniger, woran es lag, dass er sich erbärmlich fühlte. War ihm persönlich nach Apokalypse zumute, dann griff er in den meisten US-Bundesstaaten einfach in Vaters Waffenschrank, wenn er nicht bereits eigene Schusswaffen hatte. Das ging dann um die Welt, aber nur das. Die vielen anderen, die auf dem Wege waren, apokalyptisch zu wirken, das latente Potential, das konnte man nur sehr behutsam vor Ort erforschen. Henderson kannte die Ergebnisse solcher Studien, sie waren in fürchterlicher Weise erschreckend. Satanistische Herrschaft schaltete den menschlichen Verstand auf beiden Seiten aus, oben und unten, immer mehr.
Doch selbst die absolute Herrschaft idiotischer Satanisten über einen Idiotenmenschen wollte man den Satanisten nicht gestatten, es gab bewussten Widerstand. Und der hatte letztlich unbesiegbare Mittel zur Hand.
Dabei hatten diejenigen das zuverlässigere Konzept gegen den Satanismus, die den Punkt der Entladung von Knechtungsdruck ansteuerten. Der Punkt musste zwangsläufig kommen, die darauf zielende Strategie konnte grundsätzlich nicht fehlen. Was die Sache aus Hendersons Sicht so wenig beglückte, war der Umstand, dass nicht der geringste Zweifel daran bestehen konnte, dass auf diesem Wege fürchterliche Taten von Menschen an Menschen zu erwarten waren. Man würde Prominente Satanisten nicht anders behandeln als zu Zeiten der Inquisition, nicht nach Gerichtsurteil, sondern, Ruck-Zuck, nach den Gefühlen aufgebrachter Menschen, die einerseits halb verblödet, andererseits Mords wütend waren. Politiker, Richter, Polizeibosse - das waren Berufsgruppen mit hohem Satanistenanteil. Sollte das schlagartig als Wahrheit ins Volksbewusstsein rücken, so war die unmittelbare emotionale Folge die völlige innere Ablehnung des Rechtssystems. Dann herrschte nicht Anarchie, sondern Anomie, Gesetzlosigkeit. Zugleich würde sich Knechtschaftsdruck akut und vollständig in Hass und Aggressionsbereitschaft umwandeln. Dann war jeder sofort geliefert, den man als Schuldigen erkannte, dann holte man die Täter von dort, wo sie gerade waren, knüppelte sie tot oder hängte sie an Straßenlaternen auf. Das lief dann instinktiv.
Irgendwann musste der Punkt bei steigendem Knechtungsdruck kommen, es war Naturgesetz, dass latentes Potential nicht beliebig gesteigert werden konnte, ohne den Zustand der Latenz zu verlassen. Doch dass es bis zum Äußersten gehen könnte, war unwahrscheinlich, wie Henderson wusste. Natürlich war das satanistische System auf allen Seiten im Grundsatz bekannt, es war einfach zu primitiv aufgebaut und hielt an keiner Stelle wirklich dicht, weil Satanisten sich bereits durch typische Verhaltensweisen outeten. Der Umstand, dass das satanistische System im Grunde allen Seiten bekannt war, bedeutete für Henderson, dass er sich ausrechnen konnte, was den anderen einfallen würde. Die satanistische Organsisation war eine Pyramide, die auf Stabilität und Funktionalität all ihrer Stufen angewiesen war. Dabei wäre ein Schlag gegen ihre Spitze das geringste Problem der satanistischen Organisation gewesen, denn die Spitze war sehr leicht austauschbar.
Schläge gegen die Basis wiederum würden - sofern kein Exempel zu statuieren war - nur zu unbedeutsamen Verlusten auf Seiten der Satanisten führen. Damit lag das Angriffsinteresse im mittleren Bereich der Pyramide, der einerseits für die Führung des Unterbaues bedeutsam war, andererseits eine starke Bedeutung bei der Ausführung aller möglichen Funktionen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft hatte. Nur eine Stufe musste man in Schrecken und Panik versetzen, schon brach der Kopf der Pyramide vom Unterbau weg. Insider wussten, dass längst in beide Richtungen hin- und hergemordet wurde, zumeist so, dass es in keiner Mordstatistik auftauchte. Nur zu bereitwillig wurden Freitod, Unfall oder natürlicher Tod als Ursache bezeichnet, wenn es nach wirklich mysteriösen Hintergründen aussah, von denen die Öffentlichkeit im Interesse der Satanisten nichts erfahren durfte. Das verschonte auch die Hexenjäger vor öffentlicher Anklage, denn das Eingeständnis ihrer Existenz wäre schließlich nicht möglich gewesen, ohne zugleich den Satanismus in den Blickpunkt öffentlichen Interesses zu stellen.
Das schlimmste Szenario unterhalb der Apokalypse war für Henderson, dass Antisatanisten der westlichen Länder gemeinsam mit Satanisten aus anderen Lagern, etwa aus dem Nahen Osten, vorgehen könnten. Die Intelligenz und das Know-How der Anarchisten gepaart mit den unzähligen "Märtyrern" und dem unermesslichen Geld mancher Fundamentalislamisten konnten die satanistische Organisation binnen weniger Wochen so massiv schlagen, dass ihre Funktionalität vollständig zusammenbrach. Auf keiner Ebene verfügten die Satanisten über Menschen, die wirklich entschlossen waren, wenn es ernst wurde. Spätestens bei näherem Überlegen fiel es jedem von ihnen ein, dass er in Wahrheit nicht wusste, weshalb er seinen Kopf für den Satanismus hinhalten sollte - wenn nicht aus Angst. Angst motivierte aber immer nur solange, wie dem keine noch größere Angst entgegenstand. Damit musste man nur für noch größere Angst sorgen, dann brach die satanistische Motivation zusammen. Mit "geräuschlosen" Morden wiederum konnte man dem Mittelbau genau die wichtigsten Mitglieder entziehen. Ein Autounfall hier, eine karzinogene Vergiftung dort, ein kleiner Bootsunfall bei einer Partie zu Dritt - das Leben eröffnete dem praktisch ungestraften Morden viele Gelegenheiten, auf allen Seiten. Wie man laut oder auch geräuschlos mordete, wusste man auch auf allen Seiten, und die klügsten und kreativsten Köpfe wussten es am besten. Noch behielten sie es für sich, doch Henderson wusste, dass manche bereits über anderes nachdachten. Absolute Schreckenswaffen im Kleinformat standen für Angriffe aus sicherer Entfernung zur Verfügung, dabei waren die Produktionskosten vergleichsweise lächerlich.
Heimtückisch, grausam und gnadenlos wirkten sie, manche gezielt lethal, manche gezielt so, dass es meistens nicht lethal, aber mit fürchterlichen Verletzungen ausging. So schaffte man lebende Exempel, damit konnte man die Daumenschraube um den Daumen der Satanisten legen. Die Chance der Satanisten, zu einem hinreichenden Abwehrsystem zu finden, lagen bei absolut null, denn der satanistische Mittelbau war nicht permanent unter Personenschutz zu halten, die Angreifer konnten aus dem Vollen schöpfen. Im Gesamtkontext war das also das Szenario, mit dem Henderson rechnete: Gut inszenierte Anschläge auf einen Mittelbau, solange, bis dieser zusammenbrach und bereit war, umzuschwenken. Dabei war es nicht einmal nötig, dieses Vorgehen sofort flächendeckend auf der ganzen Welt zu praktizieren. Antisatanisten aller Länder konnten sich auf bestimmte regionale oder nationale Angriffsgebiete verständigen, heute auf diese, morgen auf jene. Mit minimalem Einsatz für alle konnte so weltweit Angst und Schrecken unter Satanisten verbreitet werden. Was anschließend kam, lag dann daran, wer den Drücker in dieser Lage in der Hand hatte. Höchstwahrscheinlich war es nichts Gutes, davon war Henderson überzeugt. Die Verbrechen der Satanisten waren keine gute Reklame für sie, ihnen stand zum Teil blanker Hass gegenüber. Zudem waren die Feinde der westlichen Satanisten nicht unbedingt besser als die westlichen Satanisten selbst, so dass ein Machtfluss in deren Hände auch nicht sinnvoll sein konnte. Doch solche Dinge hatten in der Geschichte niemals gezählt, wenn verschiedene Parteien sich einig waren, dass eine andere Partei sie alle bedrohte. Ob Napoleon, ob Hitler, wer die Hand nach ganz Europa ausstreckte, hatte stets alle gegen sich, die er nicht fest an der Kette hatte. Anarchisten, Linksterroristen, Hexenjägerorganisationen aller Coleur und Fundamentalislamisten waren aber zwangsläufig Gruppen, die wirklich niemand an seine Kette bekommen konnte. Damit war es nur eine Frage wachsenden Unmuts über die Westsatanisten, dass diese Fraktionen gemeinsames Vorgehen planten und umsetzten. Wie auch immer, doch zweifellos genial durchdacht und geschickt und beherzt ausgeführt. Die absolute Elite des Weltterrorismus würde zur Bekämpfung der Westsatanisten entstehen.
Bereits das internationale Echo auf den 11. September 2001 hatte deutlich gemacht, dass es weltweit durchaus auch den Wunsch gab, dem Skull & Bones-Satanismus gegen große Teile des amerikanischen Volkes und den Rest der Welt auch mit härtesten Mitteln zu begegnen, sogenannte "Kollateralschäden" inbegriffen. Die Anschläge in Spanien und Großbritannien hatten nicht nur zu Hass auf die Täter geführt, sondern auch zu Hass auf die Politiker, die den Tätern aus deren Sicht den Grund geliefert hatten. Der Irak-Krieg war moralisch längst zu einem zweiten Vietnam geworden, der politische Teil übertraf "Watergate" längst um Zehnerpotenzen. Amerikanische Verluste wurden in vielen Teilen der Welt bejubelt und führten in den USA zu Hass auf die Skull&-Bones-Satanisten, die Verarmung produzierten und ausnutzten, um Menschen in Kriegen verheizen zu können. Die Haltung der Völker gegenüber einem anti-satanistischen Terrorismus konnte gar nicht im Sinne der Satanisten sein, wahre Aufklärung über den Satanismus konnte durchaus Gegenteiliges wahrscheinlich machen. So mancher, der sich ohnehin umbringen wollte, konnte seinem Leben noch einen Sinn geben wollen, indem er sich zum Märtyrer machte. Einen Krieg gegen Satanisten würden viele als heilig betrachten können, das stand nicht zu bezweifeln.
Abgesehen von den Anarchisten konnte sich zudem sonst niemand vorstellen, dass Satanisten nicht unveränderbar schlecht, sondern lediglich sozial absurd eingestellt waren. Nur Anarchisten hatten das ganze Wissen über den Menschen, wussten, wie über Gefühlsbeherrschung jedes beliebige Einstellungsmuster in jedem beliebigen Menschen durch jedes beliebige andere ersetzt werden konnte. Wahre Läuterung war nicht einmal ein Kunststück. Doch das war tatsächlich nur den Anarchisten klar, sonst wusste es niemand wirklich. Damit galten die Satanisten den Spitzen aller anderen ihrer Gegner als Ungeziefer, das man ausrotten musste, als entarteter Abschaum der Menschheit. Die Satanisten hatten entsetzliche Feinde, viele von ihnen freuten sich schon lange auf den Tag einer grausamen Abrechnung. Und immer größer wurde die Zahl derer unter ihnen, die zu allem entschlossen waren.
Die Satanisten hatten ein Riesenproblem am Hals. Und manche unter den Satanisten hatte dieses Problem tatsächlich schon begriffen. Robert Henderson und Patricia Henderson waren nach wie vor Satanisten. Ihre höchste Verpflichtung nach der Ehe galt ihrem Bund. Eine der vielen Ausnahmen, die Satanisten zaghaft in Einzelfällen machten, um Knechtungsdruck zur Steigerung der kreativen Intelligenz zu reduzieren. Die kreative Aufgabe der Hendersons bestand darin, eine Reformierung des Gesamtsystems so anzusteuern, dass der Entladungsdruck auch für die schlimmsten Mörder unter den Satanisten verträglich abgebaut werden konnte. Reformbereite Satanisten unterstützten die Hendersons, während andere zum Teil getäuscht und zum Teil durch Schrecken und Terror in Schach gehalten wurden. Die Fronten verliefen längst nicht mehr so ganz klar, und galt die höchste Verpflichtung der Hendersons nach der Ehe auch den Satanisten, so war die Ehe der Hendersons doch anarchistisch. Das hatte natürlich auch Außenwirkung. Niemals hätte Robert nach außen etwas getan, was Patricias Wohlgefühl getrübt hätte, und das galt auch umgekehrt. Damit war die Verpflichtung gegenüber den Satanisten nichts anderes als eine Erklärung des Wohlwollens, mir reformbereiten Kräften zu kooperieren.
Auf der Seite der Jäger suchten die Hendersons ebenfalls die reformbereiten Kräfte zu unterstützen, und im Grunde saßen die Hendersons mit allen in einem Boot, die eine vernünftige Perspektive für alle wollten.
Selbst gemordet wurde kreuz und quer. Wollte ein Satanist den Hendersons im Bösen zu nahe kommen, so wurde er deshalb nicht seltener von anderen Satanisten umgelegt als von Hexenjägern, und tatsächlich war Steinberg junior auch von dieser Seite bedroht gewesen.
Henderson wusste ganz genau, welche Satanisten letztlich ein Auge auf ihn hatten. Es waren natürlich solche, die Henderson jedenfalls auf seiner Seite wusste. Darin war er sich ganz sicher, denn schließlich hatte er sie selbst auf seine Seite gebracht. Und diesen Satanisten war es sogar sehr recht, dass die Hendersons auch bei den unmittelbar gefährlichsten Feinden der Satanisten, den grausamsten Hexenjägern, mitmischten. Die Hendersons gaben ihr Bestes, die gutwilligen Kräfte in beiden Lagern aus allen Schusslinien herauszuhalten. Das funktionierte im Grunde wie von allein, denn weder die einen noch die anderen wollten in wahrer Angst um ihre eigenen Leben und die ihrer Angehörigen leben. Man konnte es mit dem Grabenkrieg an der Westfront im ersten Weltkrieg vergleichen, wo die Soldaten auf beiden Seiten schnell begriffen, dass sie nur eine Chance des Überlebens hatten: Sie mussten am Feind vorbeischießen, dann schoss er auch an ihnen vorbei, wenn er klug war. So klug war sehr schnell jeder, notfalls erklärten seine Kameraden es ihm auch sehr eindringlich. Wer dann noch unbedingt töten wollte, wurde von seinen eigenen Leuten umgelegt. Man ließ ihn "verunfallen" oder "im Kampfe gegen den Feind" sterben.
Noch hatten nicht alle gemerkt, was und wem die Stunde zu schlagen drohte. Wie immer in solchen Fällen begannen die Auflösungsprozesse an der Spitze, konkret bei denen, die klüger waren als die anderen. Während der dumme Teil der Führung und das Fußvolk von der eigenen Unbesiegbarkeit nach wie vor überzeugt waren, packte ein Teil der Führung vorsorglich schon die Koffer und sandte klammheimlich Freundschaftsgesten an den erklärten Feind. Auch das war nicht neu. Als Nazi-Deutschland im klaren Untergang befindlich war, hatten vormalige SS-Bluthunde plötzlich Herz für Juden gezeigt. Der Oberste SS-und Polizei-Führer Dänemarks, Dr. Werner Best, hatte die Massenflucht der dänischen Juden nach Schweden inspiriert und wohlgefällig geschehen lassen. Aber zum selben Zeitpunkt tobte eben auch noch der irre Eichmann, der bis zuletzt jeden von ihm fassbaren Juden unbedingt umbringen wollte. Der Abgang des reinen Satanismus zeigte nicht zufälligerweise Parallelen zum Abgang des SS-Reiches Heinrich Himmlers, wie Henderson wusste. Die SS-Ideologie von Herrenmenschen, Sklaven und unwertem Leben war die Ideologie der Satanisten.
Die Hendersons wussten nicht nur, wie man Individuen zu manipulieren hatte, sondern auch, wie Organisationen manipuliert werden konnten. Wie sie Leuten Angst machen konnten, wussten die Hendersons. Wie sie Leuten Angst nehmen konnten, wussten sie auch. Wie sie Leuten Wohlgefühl vermitteln konnten, wussten sie auch. Es gab keine Mauer versteinerter Herzen, aus der sie nicht ein Herz nach dem anderen heraus und warm zum Schlagen bekommen hätten.
Mit größtmöglichem Geschick war es den Hendersons gelungen, dort, wo sie antraten, beide Seiten in die Richtung gemeinsamen Vorgehens zu manipulieren, es war eine große Ehe, an der sie schmiedeten. Doch sie hatten nicht mehr viel Zeit.
Mr. Steinberg senior selbst hatte den Auftrag erteilt gehabt, seinen Sohn aus allen Schusslinien zu bringen. Ein Schlaganfall hatte Steinberg senior in den Rollstuhl gebracht. Das bewegte sein Denken. Ihm war klar gewesen, dass es nicht mehr bis an das Lebensende seines geliebten Sohnes gut gehen konnte, sein Sohn konnte immerhin noch 50 oder mehr Jahre leben. Und Steinberg junior war bereits im Visier der Jäger, und auch Satanisten waren nicht immer glücklich über ihn.. In seiner Arroganz war er zu unbedachten Äußerungen geneigt, die sensiblen Geistern alles sagten. Damit war er höchst gefährdet, solange er auch noch meinte, sich nahezu unbesorgt in der Welt bewegen zu können. Solche Dinge kann kein Vater dem Sohn ausreden, wenn er erwachsen ist. Also ließ Steinberg senior sich etwas anderes einfallen.
Keine einzige Hexenjägerorganisation vergriff sich an geläuterten Ex-Satanisten. Mit Rita Jenkins, Jim Downing und Dorothy Downing hätten die Hendersons nie in der beschriebenen Weise zu tun gehabt, hätte Steinberg nicht nach allen Seiten geräuschlos umgewandelt werden sollen. Rita Jenkins wäre uninteressant gewesen, wäre Jim Downing nicht Hendersons Vorgesetzter gewesen. Andere Sklaven von Rita Jenkins hatte man den bösen Satanisten zur Hirnwäsche überlassen. Dorothy Downing war nötig, um Steinberg sicher und ruhig in den Griff zu bekommen. Steinberg senior hatte die Umwandlung seines Sohnes gegen dessen bewussten Willen erbeten gehabt. Kein einziger Satanist hätte sich - außer unter akuter Androhung von Todesfolter - selbst umwandeln lassen wollen. Im Nachhinein sagte jeder, dass er sich dabei viel besser fühle, was bei einem weniger an Angst und Leid, dafür einem Mehr an Liebe und Sicherheit eigentlich auch klar sein sollte.
Man schrieb das Jahr 2006. Für das nächste Jahr hatten die Hardliner der Apokalypse den Entladungszeitpunkt geplant, wie es hieß: 23.05.2007. Wie sie das genau machen wollten, wusste niemand. Exotisch wirkende Forschungen dazu gab es wie unmittelbar einleuchtend klingende Forschung zuhauf. Die wohl exotischste Vorstellung war die, dass es in Zeiten vor der Entwicklung einer menschlichen Sprache eine Art Vorsprache gegeben haben musste, die nur zum Teil noch gesprochen wurde, zum Teil aber vergraben war. "Psscht" oder "Huch!" könnten bereits Elemente einer solchen Vorsprache gewesen sein, sie erfordern keinen diffizilen Sprachapparat und sind weltweit verbreitet. Verständlicherweise musste auch eine solche Vorsprache die lebensnotwendigen Signale ermöglichen, und eines davon war immer das Signal zum Sippenkampf gewesen. Sippenkampf hieß: "Sofort alles töten, was nicht Freund ist!" Es musste in jeder Lage wirken, jeden der Sippe sofort zum Killer gegen alles Fremde machen, aus dem Stand. Der Mechanismus dazu musste noch in jedem Menschen angelegt sein. Solange nicht wirksam nach ihm gerufen wurde, merkte man das nicht.
Die meisten, die sich damit befassten, meinten zwar, dass der Mechanismus über Prägungsprozesse im Umgang mit der eigenen Sippe spezifiziert werde, aber ganz sicher war man sich darin nicht. Wurde eine Horde von einer anderen arglistig überfallen, so kam es nicht mehr darauf an, ob der eigene Ruf auch die Feinde anspitzte, oder nicht. Die Feinde kamen aus Hunger, waren ohnehin vollständig zum Töten motiviert.
Sollte ein solcher Ruf nicht sippenspezifisch geprägt gewesen sein, so wäre die Erkenntnis über die Signalspezifikationen die gefährlichste Waffe der Welt. Robert Henderson hielt solche Vorstellungen für reichlich absurd. Für ihn lief alles über soziale Interaktion, was mit Sozialleben zu tun hatte. Ein Sippenkampfruf musste nach seiner Überzeugung von einem Sippenmitglied gerufen werden, um überhaupt irgendetwas zu bewirken, ob heute per Wortsprache, oder irgendwann per Kehllaut. Wer seine Intelligenz für solches einsetzte, war für Henderson ein Scharlatan, der nicht weit kommen konnte. Solche Leute brauchte man nicht zu beachten. Aber für Henderson war sehr wohl zu beachten, dass die Linie der Hardliner zwangsläufig immer sinnlosere und schrecklichere Aktionen bedeutete. Wenn es nur noch blank darum ging, den Zerstörungseffekt zu maximieren, um den Kessel immer schneller zu erhitzen, dann konnten die so genannten Antiterror-Aktivitäten der Staaten dem nicht Paroli bieten. Konzertierte Aktionen gegen Infrastruktureinrichtungen aller Art waren nur solange einigermaßen im Griff zu halten, wie das Volk nicht allzu böse wurde. Sobald es auf die unschuldigen Opfer von Anschlägen gar nicht mehr ankam, war die Bühne frei für Aktionen, die einerseits sehr preiswert, andererseits sehr wirksam waren. Die Chance irgendwelcher degenerierter Anti-Terror-Politiker, die hörig an den Ketten von Hexen hingen und sich besser in Luxushotels als im wahren Leben auskannten, war gegen diese Bedrohung gleich null.
Sprengsätze in Postpaketen würden die Post zuverlässig und schnell lahm legen, ähnliches galt für Autobahnen, die sich zuverlässig mit selbst gemachten Krallen oder Öl blockieren ließen. Jede Gasflasche, die man irgendwie erhitzte, war eine beeindruckende Bombe. Die Vergiftung von Lebensmitteln in Supermärkten und Restaurants, heimtückischer Einsatz von Chemikalien und Bioorganismen in Luft und Wasser - alle Zutaten waren billigst zu haben, als Sprengstoff konnte bereits Schwarzpulver reichen. Absolut rücksichtslose Aktionen hatte es auch ohne die Al Kaida zum Beispiel in Japan gegeben, und Henderson wusste ganz genau, dass kein einziges menschliches Verhalten ein unverständlicher Ausnahmefall war. Solche Fälle waren nicht unverständlich, sondern Folge asozialer Degeneration der Gesellschaft. Solche Fälle gehörten noch zu den ersten Schwalben der Apokalypse, doch immer mehr würden es werden.
Alles, was irgendeiner tat, würde unter den exakt entsprechenden Umständen jeder andere tun, es gab nicht einmal einen einzigen Menschen, dessen Handeln irgendwie einzigartig war. Es stand ein heißer Tanz bevor, im Jahre 2007. Ob der 23.05. eine besondere Rolle spielen würde, wusste keiner. Aber wer Hinweise auf Aktivitäten und Entwicklungen einzuordnen wusste, wusste ebenso Bescheid wie der, der direkt an einem Informationskanal hing. Es bestand kein Zweifel, die Geschütze wurden hinter den Kulissen geschmiert und bestückt. Man zielte auf Konfusion, um aus dieser heraus den Enthauptungsschlag gegen die Satanisten zu führen. Es gab nicht wenige, die grausigste Rache wollten.
Die Hendersons hatten nicht mehr viel Zeit, es war das Jahr 2006. Aber für die Hendersons persönlich war es nicht schlimm. Wie auch immer es ausginge, sie lebten ihr eigenes Glück und konnten sich mit absolut allen arrangieren, ohne sich dabei zu beugen. Für jeden Verein hatten sie die Mitgliedskarte in Form des passenden Handlungsprofils, und im Grunde waren sie nirgendwo Mitglied. Die Hendersons waren auch die weltbesten Kreationen, was die Überlebensfähigkeit in sozial kritischen Lagen anging. Und das war aus ihrer Sicht ihr eigentliches Experiment. Mit ihrer Sippe und befreundeten Sippen waren sie dabei, menschliche Hochintelligenz in die nächste Eisenzeit zu retten, falls alles andere schief gehen sollte. Es war möglich, unter hochmodernen Umständen absolut nach dem menschlichen Triebschema zu leben, aber dazu mussten die Gefühle des Menschen den Geist effizient in diesem Sinne beherrschen, was nur möglich war, wenn der Geist die Erfüllung aller menschlichen Triebe als absolute Imperative jeder Überlegung setzte. Davon war die Welt aber noch so weit entfernt, dass sie erst einmal auf den Boden der Tatsachen gebracht werden musste. Wie man dem Ultra-Sadisten Steinberg den Sadismus unter höchster Todesangst ausgetriebenen hatte, so musste die Menschheit zumindest spüren, wo sie in Wahrheit stand. Bis dahin war jedes noch so gute Argument vergebens, wie man auch den durchaus intelligenten Steinberg niemals mit rationalen Argumenten allein vom Sadismus hätte befreien können. Henderson wusste, wie schrecklich sich die Bedeutung einer alten Erziehungsweisheit bereits auswirkte: "Wer nicht hören will, muss fühlen." Und noch schlimmer erschien ihm eine gelegentlich zu hörende Banalität: "Wenn es zu spät ist, dann ist es zu spät!"
Doch all das war nicht das Größte für Robert Henderson. Für Robert Henderson war der Mensch ein biologischer Apparat, der nach dem Tode nicht mehr lief. Damit konnte man nach dem Tode nichts mehr fühlen, damit war man nicht mehr existent, das wiederum konnte einem nur absolut egal sein. Anders als fast alle Menschen hatte Robert Henderson nicht die Vorstellung, Welt und Kosmos würden ohne ihn nicht auskommen. Damit lagen seine vordringlichsten Lebensziele im Diesseits. Diesen widmete er sich irgendwann sehr intensiv mit Steinberg. Sie knobelten gemeinsam, wie sie ihre Frauen im Sinne männlicher Interessen bewegen konnten, wozu es zuallererst nötig war, die Frauen so glücklich zu machen, wie es ging. Gemeinsam erfanden und schärften sie die männlichen Waffen für den liebe- und lustvollen Geschlechterkampf daheim, was sich bei Dorothy bewährte, traf stets auch bei Patricia und umgekehrt. Und immer, wenn Robert etwas besonders subtiles einfiel, sagte Steinberg zu ihm: "Robert, ich habe es immer gewusst, dass Du ein ganz ausgekochter Hund bist!" Darauf pflegte Robert automatisch zu sagen: "York, genau das war es. Für einen Feind warest Du mir einfach zu intelligent." Natürlich war auch der intelligente Steinberg zum Entwurf subtilster Konzepte fähig, dann lief es andersherum. Und um zwei Ecken herum plazierte Patricia Henderson es bei ihrem Mann Robert, wenn sie in irgendeiner bestimmten Form von ihm überrascht werden wollte: "Dorothy, Du darfst es bestimmt nicht weiter erzählen, aber Robert könnte mir eine Riesenfreude bereiten, wenn er...." Im nächsten Gang wandte Dorothy sich dann an ihren Mann York: "Du, Patricia hat mir etwas erzählt. Aber das mußt Du unbedingt für Dich behalten, und Robert darf es auf gar keinen Fall wissen!" Im nächsten Schritt wandte York sich dann an Robert: "Robert, ich kann Dir verraten, wie Du Patricia eine Riesenfreude machen könntest. Aber Du hast es nicht von mir, lasse Dir irgendetwas anderes einfallen, das ist für Dich doch kein Problem!"
Wurde Verschwiegenheit zwar verlangt, aber nicht die Bekräftigung durch ein Versprechen, dann durfte Verschwiegenheit jederzeit heimlich gebrochen werden, wenn es in Wahrheit eindeutig im Sinne aller Beteiligten war. Selbst, wenn der heimliche Verschwiegenheitsbruch dann auffiel, so konnte und wollte sich niemand verletzt fühlen.
Die Zusage gegenüber York hielt Robert ein, er gab Patricia keinen Hinweis darauf, wie ihm die Idee gekommen war. Das machte er zu einem Teil seines größten Geheimnisses gegenüber Patricia. Dieses größte Geheimnis umfasste sein höchstpersönliches Wissen, wie er alle Wünsche und Ängste Patricias vollständig erforschen konnte, die Kanäle blieben geheim. So gut es ging. Ging es nicht so gut, so gab Patricia es ihm nicht zu spüren. Die klügste Frau der Welt konnte dann naiv sein: "Robert! Wie wundervoll Du mit mir umgehst! Wie bist Du nur auf die Idee gekommen?" Dabei herzte sie ihn so, dass er es selbst nicht mehr wusste, wie er auf die Idee gekommen war. Der Einfachheit halber sagte er dann: "Patricia, ich kenne eben auch Deine geheimsten Wünsche, denn Du bist mir das Wichtigste auf der Welt!"
Damit wäre die Sache im beschriebenen Beispiel noch nicht zu Ende gewesen. Bei der nächsten Gelegenheit würde Robert zu York sagen: "Mensch York, der Tipp war klasse, ich danke Dir von Herzen. Und weißt Du was? Patricia hat keinen Schimmer, wie ich auf die Idee gekommen bin!"
Und Patricia würde bei der nächsten Gelegenheit zu Dorothy sagen: "Dorothy, ich weiß nicht, wie er darauf gekommen ist, aber kannst Du Dir vorstellen.... Sage mal ehrlich, hast Du etwas durchsickern lassen?" Darauf gab es dann eine ehrliche Antwort, die aber nicht die Frage beantwortete: "Patricia, als Deine Herzensfreundin würde ich doch niemals gegen Deine Interessen handeln! Wenn Du meinst, ich hätte York etwas gesagt, dann darfst Du ihn gern selbst danach fragen!" So groß war das Aufklärungsinteresse dann nicht, außerdem hätte York Patricia einfach weitergeschickt zu Robert und Dorothy: "Patricia, woher soll ich gewusst haben, wie soll ich getan haben? Frage Dorothy und Robert, wenn Du mir nicht glauben willst..." Jedenfalls ging Dorothy zu York: "Komm, mein Lieber, sei mal ehrlich...." Doch York sagte dann: "Liebe Dorothy, ich würde in meinem ganzen Leben nichts tun, was Du nicht wolltest! Wenn Du kein Vertrauen zu mir hast, dann frage Robert und Patricia, die beiden wissen, wie ich für Dich empfinde!" Sagte Steinberg das im Tone von Traurigkeit und Verletztheit, dann bekam er sofort, was er wollte: "Komm, so war das doch nicht gemeint, ich weiß doch....und es wäre doch auch gar nicht schlimm, Patricia hat sich doch so sehr gefreut...eigentlich ist es mir ja auch so klar, und ich bin ja sonst auch gar nicht neugierig, aber ich will es doch so gern ganz genau wissen..." Steinberg war intelligent, sonst hätte er sofort die Karten offen gelegt. Dorothy war sich nur zu 99,9% sicher, dass York den Tipp gepetzt hatte. Doch das zehntel Prozent zur Sicherheit war ihr ein Störfaktor. Anders als Männer wollten Frauen auch das scheinbar unwichtige genau wissen. Ihre natürliche soziale Rolle war stärker von bewusster Verantwortlichkeit geprägt als die der Männer, formal betrachtet herrschten die Frauen tatsächlich über die Gemeinschaft. Sie mussten nach Lage ihrer Gefühle absolut alles wissen, um ihrer sozialen Rolle gerecht werden zu können. Entsprechend waren sie tatsächlich neugieriger als Männer.
Ein ganz wichtiger Punkt war dabei, dass sie tatsächlich alles von jedem erfahren konnten, auch das, was andere womöglich fälschlicherweise selbst als unbedeutend einordneten.
Die Frau wurde instinktiv getrieben, sich alle Informationskanäle zu erschließen, und musste sich ganz besonders stets sicher fühlen, von ihrem eigenen Mann absolut alles zu erfahren, was sie von ihm wissen wollte. Deutete der Mann auch nur an, irgendein Wissen nicht mit seiner Frau teilen zu wollen, so war der sexuelle Selbstbehauptungstrieb der Frau geweckt. Während ihres aktiven Liebesspieles machte sie dem Mann dann klar, dass er ihr absolut alles zu erzählen habe. Diesen Umstand nutzten Männer wie Henderson und Steinberg zur Beflügelung des ehelichen Sexuallebens.
Wenn Dorothy Steinberg von York Steinberg in solchen Fällen die Wahrheit hören wollte, dann musste sie diese Wahrheit sehr gefühlvoll aus ihm herausholen, eine andere Chance gab er ihr einfach nicht: "Dorothy, selbst, wenn es so wäre, so wäre es doch ein Geheimnis unter Männern...." Dorothy wickelte Steinberg immer mehr in Wohlgefühl ein und beredete ihn immer unwiderstehlicher, und Steinberg widerstand, solange wie er überhaupt konnte. Dann machte Dorothy automatisch weiter, bis Steinberg ganz im Himmel der Gefühle war. Anschließend wollte sie selbst in den Himmel. Dafür musste sie Steinberg erst Verschwiegenheit versprechen, das ließ er sich sehr glaubwürdig erklären.
Auch Patricia war eine neugierige Frau. Immer erst mit ausreichendem zeitlichen Abstand, doch irgendwann erfuhr sie es von Robert, wie es gelaufen war. Natürlich nur unter der Bedingung, dass sie niemandem etwas sagte. Ohne, dass sie es versprechen musste. Bei nächsten Gelegenheiten bedankte sie sich dann bei Dorothy und York für ihr aufmerksames Eintreten in der Sache. Das war mit herzlich fester Umarmung und liebenden Augen getan. Wer es wissen wollte, weshalb, der erfuhr es - diskret, natürlich.
Hätte man die positiven Wirkungen für die soziale Verbundenheit außer Acht gelassen, dann wäre das beschriebene Vorgehen absolut idiotisch gewesen. Patricia Henderson hätte ihrem Robert auch alles selbst sagen können, er hätte es natürlich getan. Doch die Wirkungen der beschriebenen Vorgehensweise waren gewaltig: Beide Ehen, die Männerfreundschaft, die Frauenfreundschaft und die Herzensgeschwisterschaften wurden durch den einfachen Umstand, dass Patricia Henderson ihrem Mann einen Wunsch mitteilte, rituell geschmiert und damit auch für Wichtigeres in Betriebsbereitschaft gehalten.
Was Patricia Henderson geboten wurde, wurde jedem der Vier geboten, 6 Augen und 6 Ohren fingen alles ein, was für das Glück der vierten Person von Vorteil war und arrangierten das Mögliche für diese vierte Person. Die Kinder Jim Downings akzeptierten Steinberg vollständig, weil sie nicht nur spürten, wie gut er den Gefühlen ihrer Mutter tat, sondern auch, weil er ihnen selbst von Herzen gern gut tat. Weil Steinberg Dorothy von ganzem Herzen liebte, übernahm er Dorothy´s Zu- und Abneigungen automatisch, solange keine wahren Gründe dagegen sprachen. Es machte Steinberg am Anfang Freude, zu Dorothy´s Kindern lieb zu sein, weil er wusste und spürte, dass er Dorothy damit eine Riesenfreude machte. Die Kinder spürten nicht nur das, sondern auch, dass ihre geliebte Mutter in der Liebe mit Steinberg aufblühte, und so waren sie auch sehr gern lieb zu Steinberg, der auch sehr gern mit ihnen spielte und tobte. So wurde er ihr wahrer Vater. Nur, wenn Dorothy´s Kinder nicht lieb zu ihrer Mutter oder zu ihm selbst gewesen wären, dann hätte er sich gegen Dorothy´s Kinder gestellt, aber nicht anders, als dass Dorothy es auch gerecht gefunden hätte.
Vor dem Hintergrund der Herzensfreundschaften zwischen den Hendersons und Dorothy und York G. wurde Patricia Henderson zur geliebten und liebenden Tante, Robert Henderson zum geliebten und liebenden Onkel von Dorothy´sKindern. Damit standen auch die Runde der Herzensfreundinnen und auch die im Falle eines Falles noch schrecklichere Runde der Herzensfreunde fest und unverbrüchlich auf Seiten der Kinder Dorothy´s, wenn es darauf ankam. Robert Henderson hatte nicht gelogen gehabt: "Wetterfester" konnten Dorothy´s Kinder nicht geschützt sein, wer sich an ihnen vergreifen würde, musste absolut verrückt sein.
In einem solchen Falle wäre es nicht einmal nötig, dass die Herzensfreundinnen und die Herzensfreunde irgendwann einmal Grenzen überschritten hatten und sich auf Grausamkeit umstellen konnten. In einem solchen Falle wird jeder einigermaßen gesund eingestellte Mensch zu einer Bestie, es geht auf den Trieb zur Arterhaltung zurück.
Dass Steinberg Kelly Davis nur im Film gesehen hatte, machte ihm die Akzeptanz von Patricia Henderson etwas leichter. Dennoch hatte ihm die Frage im Magen gelegen, ob sie ihm wirklich zur Kelly Davis geworden wäre. Sobald er sich hinreichend sicher gefühlt hatte, ihr die Frage stellen zu können, hatte er es unter vier Augen getan. Sie hatte ihn sehr betroffen angesehen, und traurig gemeint, es sei nicht lieb von ihm, ihr jetzt noch diese Frage zu stellen. Steinberg verstand sofort. Sie wäre ihm zur Kelly Davis geworden, doch das war ihr jetzt, da sie ihn lieb gewonnen hatte, ein ebenso schrecklicher Gedanke wie ihm. Sie sahen sich sehr tief in die Augen, dann fielen sie sich weinend in die Arme, drückten sich ganz feste und heulten sich vollständig aus. Für beide war Kelly Davis erst seit dem tot, und das mit Sicherheit. Seitdem waren sie Herzensgeschwister.
| November 2009 | ||||||||||
| M | D | M | D | F | S | S | ||||
| 1 | ||||||||||
| 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | ||||
| 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ||||
| 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | ||||
| 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | ||||
| 30 | ||||||||||
|
||||||||||